Zahllos sind die Legenden, die sich um die "Revolverhelden" des Wilden Westens ranken. Romantische Filme, Bücher, Groschenromane, Songs und Musicals halten das Andenken an den braven Gesetzeshüter hoch, der, um Law and Order zu verteidigen, zum Colt greifen muß gegen den hinterhältigen, schurkischen, aber unglaublich schnell ziehenden Outlaw.
Billy the Kid, Wyatt Earp, Jesse James, Butch Cassidy und Sundance Kid, die Dalton Brothers - sie gehören zum festen Inventar unseres Bildes vom Wilden Westen. Zahllose Legenden ranken sich um ihr abenteuerliches Leben als Gesetzlose. Die Wirklichkeit sah anders aus ...
| Gunfighter im Originalton | Statistik der Gunfighter | Chronologie der Ereignisse | Die Gunfighter | O.K Corral |
Die Bedeutung des schnellen Ziehens wird völlig falsch eingeschätzt. Kein Bild
aus dem amerikanischen Westens ist so tief verwurzelt wie die Darstellung des
Revolverduells : Zwei Männer, die Hände lose über dem Revolvergriff, gehen
aufeinander zu, um festzustellen, wer schneller ziehen und schießen kann. Dann
eine jähe, kaum wahrnehmbare Bewegung, zwei nahezu gleichzeitig fallende
Schüsse, und ein Mann geht, von der ersten Kugel getroffen, zu Boden. Bei einen
echten Gunfight hingegen kam es vor allem auf die Treffsicherheit, nicht jedoch
auf die Schnelligkeit an. Häufig trugen die Revolvermänner ihre Waffe nicht
einmal im Holster. Man steckte den Revolver in die Gesäßtasche, in den Hosenbund
oder die Jackentasche, und fast immer zog man ein Gewehr oder eine Schrotflinte
der Faustfeuerwaffe vor. Vornehmliches Ziel einer Schießerei war es nicht, den
anderen Mann zuerst oder an die richtige Stelle zu treffen, sondern ihn
überhaupt zu treffen. Es kam bei Revolverkämpfen ein ums andere mal vor, daß
Männer ihre Waffen auf den Gegner leer schossen, ohne ihn überhaupt oder
allenfalls leicht zu verletzen. Die Schnelligkeit beim Ziehen spielte keine
Rolle.
Irrig sind auch die Vorstellungen über die Anzahl der von den Revolvermännern
erzielten tödlichen Treffer - von den 21 Opfern eines Billy the Kid bis hin zu
John Wesley Hardin, der mehr als 40 Menschen getötet haben soll ...
... die meisten Gunfighter aber töteten im Laufe ihrer "Karriere" nur wenige
Menschen. Bat Masterson zum Beispiel brachte nur einen Mann um und war nur
gerade an drei Schießereien beteiligt. Es gibt keinerlei gesicherte Hinweise
darauf, daß Billy the Kid mehr als vier Männer auf dem Gewissen hatte, und
Hardin tötete aller Wahrscheinlichkeit nach allenfalls ein knappes Dutzend
Menschen. Der typische Gunfighter feuerte seine Waffe nur gelegentlich auf
andere Männer ab, und zu Todesfällen kam es dabei höchst selten.
| Für 300 Dollar würde ich mit einer abgesägten Schrottflinte
jeden in Stücke schiessen.
Mannen Clements |
Trotz aller Gewalt und Gesetzlosigkeit, die es in meinem Leben gab glaube ich fest daran, daß eine weise Vorsehung über mich gewacht hat. So brenzlig die Lage auch gewesen sein mag, wenn ich Beistand bei einer höheren Macht gesucht habe, hat sie mich nie in Stich gelassen. Ich gehe sogar noch weiter und sage, daß manches mal, wenn es so aussah, als käme ich nicht umhin, einen Mann zu töten, im entscheidenden Moment irgendeine unsichtbare Macht ergriffen hat. ... Zwar habe ich ein, zwei Männer verletzt, aber ich habe nicht einen Menschen ums Leben gebracht. George Coe |
| Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe...
lautet, das der Sieger in einem Revolverduell für gewöhnlich derjenige war,
der sich Zeit ließ. Zweitens mußte ich, wenn ich im Grenzgebiet zu überleben
gedachte, jegliche aufsehen erregenden Schießkunststücke - alles großspurige
gehabe - meiden wie die Pest. ... In all den Jahren, die ich als
Ordnungshüter im Grenzgebiet zubrachte, habe ich nicht einen wirklich
tüchtigen Gunfighter gekannt, der etwas anderes als Verachtung für den Mann
empfand, der den Revolver um den Finger wickeln ließ oder buchstäblich aus
der Hüfte schoß.
Wyatt Earp |
Niemals gedachte ich (mit Billy the Kid)
irgendwelche Risiken einzugehen, wenn sich dies durch Vorsicht und Schläue
vermeiden ließe. Nur unter bestimmten, vom Zufall abhängigen Umständen
hätten wir einander zu gleichen Bedingungen messen können, und dazu wäre ich
meinerseits nicht bereit gewesen.
Pat Garret |
| Was das töten angeht - darüber mache ich mir
keine große Gedanken. Ich glaube nicht an Gespenster, und ich lasse auch
nicht die ganze Nacht das Licht brennen, um sie fernzuhalten.Weil ich
nämlich kein Mörder bin. In einem Kampf heißt es, ich oder der andere, und
ich überlege ständig: Ist das hier eine Sünde? Und was nützt es, wenn man
sich hinter her den Kopf zerbricht.
Wild Bill Hickok |
Versuche nie, mit einem Sechsschüsser zu
bluffen. Schon mancher Mann wurde in seinen Stiefeln zu Grabe getragen, weil
er so töricht war u d zu seinem Schießeisen griff, um jemanden Angst
einzujagen. Denk immer daran, daß ein Sechsschüsser einzig und allein dazu
da ist, den anderen Kerl zu töten... Wenn du einen Mann mit der Waffe
anhalten mußt, dann umfasse den Griff deines Revolvers mit eiserner Hand,
damit er nicht verreißt, und versuche ihn genau in Höhe der Gürtelschnalle
zu treffen. Das ist die breiteste Stelle zwischen Scheitel und Sohle.
Bat Masterson |
| In meinem Fall war ungehorsam der erste
Schritt; danach kam der Whisky, die Revolver, das Glücksspiel und
schließlich Mord, und der nächste, nehme ich an, wird mich zum Galgen
führen.
Bill Longlay (Er hatte recht.) |
Ich glaube nicht, daß die Kugel, die mich
töten soll, jemals gegossen wird.
Dallas Stoudenmire (Er irrte sich.) |
Wer waren die "größten" Revolvermänner ? In der untenstehenden Auflistung sind sowohl die aktivsten und "erfolgreichsten" Revolvermänner enthalten als auch andere, die ebenfalls als "erfolgreich" galten deren Ruf aber eindeutig überzeichnet wurde.
| Revolvermann | Anzahl der Opfer | Anzahl der Schießereien | Wahrscheinliche, aber nicht sichere Opfer |
| Jim Miller | 12 | 14 | 1 |
| John Wesly Hardin | 11 | 19 | 1 |
| Bill Longley | 11 | 12 | 2 |
| Harvey Logan | 9 | 11 | 0 |
| Wild Bill Hickok | 7 | 8 | 1 |
| John Selman | 6 | 8 | 0 |
| Dallas Stoudenmire | 5 | 8 | 2 |
| Cullan Baker | 5 | 7 | 3 |
| King Fisher | 5 | 4 | 0 |
| Billy the Kid | 4 | 16 | 5 |
| Ben Thompson | 4 | 14 | 2 |
| Henry Brown | 4 | 10 | 5 |
| John Slaughter | 4 | 8 | 2 |
| Clay Allison | 4 | 4 | 0 |
| Jim Courtright | 4 | 3 | 0 |
| John Hughes | 3 | 12 | 8 |
| Cole Younger | 3 | 7 | 2 |
| John Younger | 3 | 4 | 1 |
| Doc Holliday | 2 | 8 | 2 |
| Pat Garret | 2 | 6 | 2 |
| Burt Alvord | 2 | 6 | 1 |
| Oliver Lee | 2 | 5 | 2 |
| Dave Mather | 2 | 5 | 1 |
| Luke Short | 2 | 5 | 0 |
| Heck Thomas | 1 | 10 | 3 |
| Jesse James | 1 | 9 | 3 |
| Bill Tilghman | 1 | 7 | 0 |
| Bat Masterson | 1 | 3 | 0 |
| Jack Slade | 1 | 3 | 0 |
| John Ringo | 1 | 2 | 0 |
| Jeff Milton | 0 | 8 | 6 |
| Wyett Earp | 0 | 5 | 5 |
| Sundance Kid | 0 | 4 | 0 |
> Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit ! <
Chronologie der Ereignisse im amerikanischen Westen zur Zeit der Revolvermänner
Welche Ereignisse schürten die Gerüchteküche und regten zu allerlei Fachsimpeleien in den Saloons und Gefängnissen, den Absteigen und Schlupfwinkel an, in denen Gunfighter verkehrten? In der nachfolgenden Auflistung werden die herausragenden Begebenheiten aus der Epoche der Gunfighter des amerikanischen Westens aufgeführt; hier wird das Ableben bekannter Revolvermänner vermerkt, auf die bedeutenderen Fehden und Weidekriege hingewiesen und, in aller Kürze, auf die spektakulärsten Schießereien eingegangen.
| 1861 | Schießerei zwischen der "McCanles-Gang" und Wild Bill Hickok (12.Juli, Rock Creek Station, Nebraska). |
| 1864 | Henry Plummer und viele seiner Montana-Outlaws werden gehängt. |
| Jack Slade wird gehängt (10.März, Virginia City, Montana). | |
| 1865 | Duell zwischen Dave Tutt und Wild Bill Hickok (21. Juli, Sprigfield, Missouri). |
| 1870 | Auseinandersetzung zwischen Wild Bill Hickok und in Fort Hays stationierten Kavalleristen (17.Juli, Fort Hays, Kansas). |
| 1871 | Große Schießerei am 20. August im Saloon von Newton, Kansas. |
| Schießerei zwischen Wild Bill Hickok und Philip Coe (5.Oktober, Abilene, Kansas). | |
| 1873 | Blutiger Zweikampf zwischen Arthur McCluskie und Hugh Anderson (Juni, Medecine Lodge, Kansas). |
| Sheriff C.B. Whitney wird von Billy Thompson getötet (15-.August, Ellsworth, Kansas). | |
| Horrel War (Lincoln County, New Mexico). | |
| 1874 | Schußwechsel zwischen John Younger und Detektiven (16.März, Monegaw Springs, Missouri). |
| Höhepunkt der Sutton-Taylor-Fehde in Texas. | |
| 1876 | Auseinandersetzung zwischen Bat Masterson und Sergeant Ed King (24. Januar, Mobeetie, Texas). |
| Wild Bill Hickok wird ermordet (2.August, Deadwood, Dakota Territory). | |
| Überfall der James-Younger-Gang auf die Bank von Nothfield, Minnesota (7.September). | |
| 1877 | Höhepunkt der Horrel-Higgins-Fehde im Umland von Lampasasw, Texas. |
| 1878 | Schußwechsel zwischen Ed Masterson und Texanern (9.April, Dodge City, Kansas). |
| Gefecht zwischen Texas Rangers und der Sam-Bass-Gang (19.Juli, Round Rock, Texas). | |
| Wild Bill Longley wird gehängt (11.Oktober, Giddin, Texas) | |
| Lincoln County War (Lincoln County, New Mexico). | |
| 1880 | Pat Garrett jagt Billy the Kid und seine Gang. |
| 1881 | Vier Tote bei Schußwechsel mit Dallas Stoudenmire in El Paso (14.April, El Paso, Texas). |
| Billy the Kid schießt sich den Fluchtweg aus dem Gefängnis frei (28.April, Lincoln, New Mexico). | |
| Billy the Kid wird getötet (14. Juli, Fort Summer, New Mexico). | |
| Gunfight am OK-Corral (26.Oktober, Tombstone, Arizona). | |
| 1882 | Jesse James wird ermordet (3.April, St. Joseph, Missouri). |
| John Ringo wird getötet (14.Juli, Turkey Creek Canyon, Arizona) | |
| Dallas Stoudenmire wird von den Manning-Brüdern getötet (18. September, El Paso, Texas). | |
| Auseinandersetzung zwischen Buckskin Frank Leslie und Billy Claiborne (14.November, Tombstone, Arizona). | |
| 1884 | Ben Thompson und King Fischer werden getötet (11. März, San Antonio, Texas). |
| Angriff auf Elfego Baca (Oktober, Francisco, New Mexico) | |
| Bankraub in Medecine Lodge, Kansas (15.Dezember) | |
| 1887 | Auseinandersetzung zwischen Luke Short und Longhaired Jim Courtright (8.Februar, Fort Worth, Texas). |
| Doc Holliday stirbt eines friedlichen Todes (8.November, Glenwood Springs, Colorado). | |
| Pleasant Vallye War in Arizona. | |
| 1892 | Überfall der Dalton.Gang auf Coffeyville, Kansas (5.Oktober). |
| Johnson County War (Wyoming). | |
| 1893 | Schießerei zwischen Ordnungshütern und der Doolin-Gang (1.September, Ingalls, Oklahoma). |
| 1895 | John Wesley Hardin wird von John Selman getötet (19.August, El Paso, Texas). |
| 1896 | Bill Doolin wird von einer Posse getötet (25.August, Lawson, Oklahoma). |
| 1898 | Blütezeit des Wild Bunch um Butch Cassidy. |
| 1900 | Auseinandersetzung zwischen Jeff Milton und Burt Alvords Gang (15. Februar, Fairbanks, Arizona). |
| 1904 | Harvey Logan wird getötet (8.Mai, bei Glenwood Springs, Colorado). |
| 1908 | Pat Garret wird ermordet (29.Februar, bei Las Cruces, New Mexico). |
| Feuergefecht bolivianischer Soldaten mit Butch Cassidy und Sundance Kid. | |
| 1909 | Jim ("Killer") Miller wird gelyncht (19. April, Ada, Oklahoma). |
| 1924 | Bill Tilghman wird getötet (1.November, Cromwell, Oklahoma). |
Hier erfahrt Ihr mehr über die bekanntesten Gunfighter; den Namen einfach anklicken !
>Diese Liste wird ständig erweitert <
Clay Allison Allison, Robert A. Clay
(geb. 1840 in Waynesboro, Tennessee; gest. 1.Juli 1887, Pecos, Texas)
>Farmer, Soldat, Cowboy, Rancher, Rindermakler<
Bis
zu seinem einundzwanzigsten Lebensjahr wohnte und arbeitete Clay Allison auf der
Farm seiner Familie in Tennessee. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich
trotz einer Körperbehinderung - er hatte einen Klumpfuß - freiwillig zur
Verteidigung seines Heimatstaates und diente während des ganzen Konfliktes bei
diversen Einheiten der konföderierten Armee.
Ein paar Monate nach Kriegsende verließen drei der Allison Brüder - Clay, John
und Monroe - mit ihrer Schwester Mary und deren Mann Lewis Coleman Tennessee und
zogen nach Texas. Als sie unterwegs den Red River überquerten, schlug der
streitsüchtige Allison den Fährmann Zachary Colbert bei einem Boxkampf zusammen.
Kurz darauf verdingte
er sich als Cowboy bei Oliver Loving und Charles Goodnight, und vermutlich war
er einer der achtzehn Treiber, welche die beiden Rinderzüchter 1866 bei ihrem
Viehtreck durch Texas, New Mexico und Colorado begleiteten. (Dieser Treck sollte
später unter dem Namen Goodnight-Loving Trail berühmt werden.) Ende der
sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts ritt Allison außerdem für M. L. Dalton und
arbeitete als Treckboß für die Rinderzucht, die sein Schwager mit Isaac W. Lacy
betrieb. 1870 siedelten Coleman und Lacy nach New Mexico um und ließen sich auf
einem Stück Land im Colfax Country nieder. Allison trieb ihre Herde zu der neuen
Ranch und wurde dafür mit dreihundert Stück Vieh belohnt. Mit dieser kleinen
Herde gründete er in der Nähe von Cimarron, New Mexico, eine eigene Ranch, die
er schließlich zu einem einträglichen Unternehmen ausbaute.
Am 7. Oktober 1870 führte Allison einen Mob an, der in das Gefängnis von
Elizabethtown in der Nähe von Cimarron einbrach und einen des Mordes
beschuldigten Mann namens Charles Kennedy lynchte. Kennedy wurde im örtlichen
Schlachthof gehängt, worauf ihn der sich wie entfesselt gebärdende Allison
enthauptete und den Kopf auf einem Holzpfosten in Henri Lamberts Saloon in
Cimarron zur Schau stellte. Im Januar 1874 erschoß Allison den Revolvermann
Chunk Colbert, und kurz darauf wurde er des Mordes an Charles Cooper
verdächtigt.
Etwa zu dieser Zeit hatte Allison, seit jeher ein harter Trinker, in
alkoholisierten Zustand eine Auseinandersetzung mit einem wackeren Bürger namens
Mason T. Bowman. Allison und Bowman, die sich in einem Saloon trafen, wollten
feststellen, wer von ihnen schneller ziehen könne. Nachdem Bowman wiederholt
gewonnen hatte, zogen sich beide Männer bis auf die Unterwäsche aus und
vollführten halb nackt und stockbetrunken einen wilden Tanz vor dem begeisterten
Publikum. Schließlich schossen sie sich gegenseitig auf die Füße, um zu sehen,
wer der bessere Tänzer sei, beendeten aber ihr tolles Treiben, ehe etwas
Schlimmeres geschah.
Am 30. Oktober 1875 war Allison an einem weiteren Lynchmord im Colfax Country
beteiligt. Diesmal führte er einen Mob an, der den mutmaßlichen Mörder Cruz Vega
ergriff. Der verängstigte Vega gestand, daß Manuel Cárdenas der eigentliche
Täter sei, wurde aber trotzdem an einem Telegraphenmast aufgehängt und bekam zur
Sicherheit noch einen Schuß in den Rücken verpaßt. Wieder mißhandelte der
blutrünstige Allison das Opfer, er schlang den Strick, an dem der Leichnam hing,
um seinem Sattelknauf und schleifte ihn über Felsen und quer durchs Gestrüpp.
Zwei Tage später töteten Allison den Revolvermann Pancho Griego, einen Freund
von Cruz.
Anschließend bekam Allison Schwierigkeiten mit seinen Nachbarn im Colfax Country,
unter ihnen auch sein Schwager, und als Antwort auf einen bissigen
Zeitungskommentar verwüstete er die Redaktionsräume der Cimarron News and
Press. Nach dem mißglückten versuch, der Army eine Herde Maultiere zu
stehlen, schoß er sich auf der Flucht versehentlich in den rechten Fuß, wodurch
seine Körperbehinderung noch verschlimmert wurde, so daß er fortan am Stock
gehen mußte. Im Dezember 1876 tötete er bei einer wilden Schießerei in einem
Tanzlokal einen Deputy Sheriff, wurde später aber wieder aus der Haft entlassen.
Zwei Jahre darauf trieb er eine Rinderherde nach Osten und nahm an dem berühmten
East St. Louis Scrimmage teil, einer wilden Prügelei, bei der er einen
Mann namens Alexander Kessinger zusammenschlug. Kurz darauf verkaufte er seine
Ranch und ließ sich als Rindermakler in Hays City, Kansas, nieder.
1880 war Allison auf eine Ranch im Hemphill Country, Texas, umgesiedelt, und im
Jahr darauf nahm er sich eine Frau. Er zeugte zwei Töchter - Patsy, die
verkrüppelt zur Welt kam, und Clay, die erst nach seinem Tod geboren wurde. 1886
gründete er eine weitere Ranch im Lincoln County, New Mexico, und noch im
gleichen Jahr trieb er eine Herde nach Rock Creek im Wyoming Territory. Dort
soller, so will es die Legende, von heftigen Zahnschmerzen heimgesucht worden
sein und sich auf der Suche nach einem Zahnarzt zu den in der Nähe wohnenden
Cheyenne begeben haben. Der Zahnarzt nahm sich den falschen Zahn vor, worauf
Clay zu einem anderen Zahnarzt ging und den Schaden beheben ließ. Danach kehrte
der aufgebrachte Allison zum ersten Heilkundigen zurück, zog dem Unglücklichen
gewaltsam - und, so darf vermutet werden, unsachgemäß - einen Schneidezahn und
wollte sich gerade einen weiteren vornehmen, als auf die Schreie des Zahnarztes
hin zahlreiche Schaulustige angelockt wurden, die ihm Einhalt geboten.
Ein Jahr später geriet Allison etwa vierzig Meilen außerhalb von Pecos, Texas,
wo er Vorräte hatte einkaufen wollen, unter einen Wagen. Er zog sich an einem
Vorderrad einen Schädelbruch zu und starb knapp eine Stunde später.
(geb. 1866; gest. um 1910 in Lateinamerica)
>Mietstallbediensteter, Ordnugshüter, Rinderdieb, Eisenbahnräuber, Sträfling<
Alvord kam in
jungen Jahren mit seinem Vater, einem Friedensrichter, in den Westen. Noch als
Teenager arbeitete er als Stallknecht beim O.K. Corral in Tombstone, wo
er die berühmte Schießerei und drei Jahre später den Lynchmord an John Heath
miterlebte. Als John Slaughter 1886 zum Sheriff des Cochise County gewählt
wurde, wurde der zwanzigjährige Alvord sein Deputy und seine rechte Hand.
Die nächsten vier Jahre half Alvord Slaughter beim Aufspüren zahlreicher Diebe
und Rustler. Als stets liebenswürdiger Stammgast vieler Bars entwickelte er ein
besonderes Geschick dafür, Auskünfte über den Verbleib diverser flüchtiger
Straftäter zu beschaffen. Mitte der neunziger Jahre zog Alvord nach Mexico und
betätigte sich eine Zeitlang als Viehdieb, schlug sich aber bald wieder auf die
Seite des Gesetzes und wurde Constable (Ortspolizist) in Fairbank und danach in
Willcox, Arizona.
Obwohl er ein geachteter Ordnungshüter war, nutzte Alvord seine Stellung aus und
wurde Anführer einer Bande von Eisenbahnräubern. Mit seinem Komplizen und Deputy
Billy Stiles wurde er in den Jahren 1900 und 1903 festgenommen, konnte aber
beide Male wieder entkommen. Anschließend ließ Alvord das Gerücht verbreiten, er
und Stiles seien getötet worden, und schickte zwei Särge nach Tombstone. Das
Täuschungsmanöver mißlang, und die Ordnungshüter des Staates Arizona setzten
ihre Suche nach den beiden Bandenführern fort.
1904 wurde Alvord erneut gefaßt und erst nach zweijährigem Gefängnisaufenthalt
in Yuma entlassen, worauf er nach Lateinamerica zog. Meldungen zufolge wurde er
danach in Venezuela, in Honduras und in Panama gesehen, wo er beim Bau des
Kanals mitwirkte. Er starb um das Jahr 1910.
Cullan Baker Baker, Cullan Montgomery
(geb. 22.Juni 1835, Weakly County, Tennessee; gest. 6.Januar 1869 im südwestlichen Arkansas)
>Farmer, Soldat, Fährmann, Bandit)
Henry McCarty, William Bonney, Henry Antrim, Kid Antrim, William Antrin
(geb 1859 in Indiana oder New York; gest. 14.Juli 1881, Fort Summer, New Mexico)
>Fuhrmann, Cowboy, Rustler, Revolvermann<
Der kleine Henry
McCarty mit den vorstehenden Zähnen, der entweder in New York oder in Indiana
zur Welt kam, wurde unter dem Namen William Bonney oder Billy the Kid ein
berühmter Outlaw. Während des Bürgerkrieges zog Billy mit seinen Eltern und dem
älteren Bruder Joe nach Kansas. Nach dem Tod des Vaters siedelte die Witwe
McCarty mit ihren beiden Kindern nach New Mexico um und heiratete 1873 in Santa
Fe einen gewissen William Antrim. Die Familie ließ sich in Silver City nieder,
wo Mrs. Antrim 1874 starb.
Billy beging bald darauf kleine
Diebstähle, wurde eingesperrt und konnte entkommen. Zwei Jahre lang schlug er
sich als Fuhrmann, Cowboy und Hilfsarbeiter im und um das Graham County im
östlichen Arizona durch. 1877 tötete er in Fort Grant einen Mann und wurde wegen
Mordes angeklagt. Er konnte aber entkommen, kehrte nach New Mexico zurück und
ging einen Winter lang mit George Coe auf die Jagd.
Wenig später fand Billy the Kid eine Anstellung auf der Ranch des Engländers
John Tunstall im Lincoln County. Als Tunstall ermordet wurde, schwor Billy
blutige Rache, die er während des anschließenden "Lincoln County War" auch
weidlich auskostete. Er war bei der Posse, die drei Revolvermänner der
gegnerischen Partei ermordete, er legte den Hinterhalt, bei dem Sheriff William
Brady und Deputy George Hindman ums Leben kamen, und er war an der Schießerei
von Blazer`s Mill beteiligt.
Bei dem viertägigen Gefecht im Juli 1878 verteidigte Billy the Kid mit seinen
Gefährten Alexander McSweens Haus und zählte zu den wenigen Überlebenden des
verzweifelten Ausbruchsversuchs. Auf ein Amnestieversprechen von Gouverneur Lew
Wallace hin stellte er sich schließlich der Obrigkeit. Doch der Gerichtstermin
rückte näher, Billy wurde nervös, mißtraute den rechtlichen Formalitäten,
entfernte sich schließlich aus dem "Gewahrsam" und verstieß damit gegen die
Amnestieauflagen. Er gründete eine Bande von Viehdieben und stieß auf seinen
Raubzügen mit Dave Rudabaugh, Charlie Bowdre und Tom O`Folliard bis in den
texanischen Panhandle vor. Billy tötete den Spieler Joe Grant, entkam einer
Posse, die ihn an der Greathouse-Ranch in der Nähe von White Oaks stellte, und
schoß sich den Fluchtweg frei, nachdem Pat Garrett ihn in einen Hinterhalt
gelockt hatte.
Als er von Pat Garretts Posse in seinem Versteck in Stinking Springs belagert
wurde, ergab sich Billy the Kid und wurde im Dezember 1880 in Lincoln
eingekerkert. Vier Monate später tötete er zwei Wärter und konnte entkommen. Ein
knappes Vierteljahr darauf wurde er von Pat Garrett in Fort Sumner getötet.
Billy the Kids Leben und Taten waren bei weitem nicht so aufsehenerregend, wie
sie im nachhinein dargestellt wurden. Zweifellos war er eine ebenso schillernde
wie gewalttätige Persönlichkeit, doch als Revolvermann trat er nur knapp vier
Jahre lang in Erscheinung, und tötete nicht mehr als ein halbes Dutzend
Menschen.
Henry Brown Brown, Henry Newton
(geb. 1857, Cold Spring Township, Missouri; gest. 30.April 1884, Medecine Lodge, Kansas)
>Farmer, Cowboy, Büffeljäger, Rinderdieb, Revolvermann, Ordnungshüter, Bankräuber<
Courtright, Timothy Isaiah (Longhaired Jim)
(geb. 1848 in Iowa; gest. 8.Februar 1887, Fort Worth, Texas)
>Soldat, Armeekundschafter, Ordnungshüter, organisierter Schieber, Bergwerkswachmann,Ranch-Vormann, Privatdetektiv<
Wyatt Earp Earp, Wyatt Berry Stapp
(geb 19. März 1848, Monmouth, Illinois; gest. 13.Januar 1929, Los Angeles, California)
>Farmer, Streckenarbeiter, Büffeljäger, Pferdedieb, Saloonbesitzer, Spieler, Hochstapler, Sportler, Ordungshüter, Prospektor<
Wyatt Earp, über dessen Leben die widersprüchlichsten Darstellungen kursieren,
ist zweifellos eine der umstrittensten Gestalten des amerikanischen Westens. Als
Sohn eines unsteten Pioniers zog er mit seinem Familienclan von Missouri über
Iowa nach Californien. Er war Anfang zwanzig, als er sich als Streckenarbeiter
bei der Eisenbahn verdingte und so zurück nach Missouri gelangte.
Im Jahr 1870 heiratete Wyatt in Lamar, Missouri, wo er noch im gleichen Jahr
seinen Halbbruder Newton Earp bei der Bewerbung um den Posten eines
Stadtkonstablers ausstach. Dreieinhalb Monate nach der Hochzeit starb seine
Frau. Danach kam es zwischen Wyatt und seinen Brüdern James, Morgan und Virgil
auf der einen und Fred und Bert Sutherland, den beiden Brüdern der verstorbenen
Frau, sowie den drei Brummet-Söhnen Granville, Lloyd und Garden auf der anderen
Seite zu einem 20 Minuten langen Straßenkampf. Wie die Auseinandersetzung
ausging und ob dabei Schußwaffen zum Einsatz kamen, weiß man nicht. Kurz darauf
jedenfalls zogen die Earps nach Kansas weiter.
Wyatt ging zwei Jahre lang auf die Büffeljagd, wurde im Indian Territory wegen
Pferdediebstahl festgenommen und wandte sich dann immer mehr dem Glücksspiel zu,
wozu er sich häufig nach Hays City begab, 1875 war er Stadtpolizist in Wichita,
wo er für Routinefestnahmen zuständig war und sich beinahe mit der eigenen Waffe
verletzte. Er weigerte sich, Bußgelder abzuliefern, die er Prostituierten
abverlangt hatte und wurde daraufhin aus dem Polizeidienst entlassen und aus der
Stadt verwiesen wurde. Danach wurde Earp Polizist in Dodge City, streifte eine
Weile durch Texas und wurde schließlich stellvertretender Marshal von Dodge, wo
er zudem als Geistlicher der Unierten Kirche tätig war. 1876 wurde er in Dodge
von einem riesigen Cowboy namens Red Sweeney bei einem Streit wegen eines
Tanzsalonmädchens windelweich geschlagen.
Im September 1879 verließ Earp Dodge City, ging nach Las Vegas, New Mexico, und
stieß dort zu seinen Familienangehörigen sowie Doc Holliday. Unterwegs machte er
in Mobeetie, Texas, halt, wurde aber von Deputy Sheriff James McIntire aus der
Stadt gejagt, nachdem er mit Mysterious Dave Mather einen "Goldziegel"-Schwindel
versucht hatte.
Wenige Monate später zogen Wyatt, James und Virgil Earp mit ihren Familien nach
Tombstone. (Wyatt hatte kurz zuvor seine zweite Frau Mattie geheiratet, die er
1882 verließ. Sie wurde Prostituierte und beging am 3. Juli 1888 im Alter von
dreißig Jahren in der Bergarbeiterstadt Pinal in Arizona Selbstmord.)
Nach den Ereignissen in Tombstone zog Wyatt quer durch den Westen. 1882 war er
in San Francisco, wo er Josie, seine dritte Frau, heiratete. 1883 hielt er sich
in Colorado auf und besuchte zweimal Dodge City, um dort Luke Short, ein
Mitglied der berühmten, wenn auch kurzlebigen Dodge City Peace Commission,
zu unterstützen. 1884 wurde er vom Goldrausch in Coeur d`Alene nach Idaho
gelockt und blieb dort fast ein Jahr lang, ehe er wieder nach Colorado zog. In
Idaho besaß Wyatt zwei Saloons, spekulierte mit seinem Bruder auf mehrere
vielversprechende Goldadern und stand in Verbindung mit einem Syndikat, das sich
auf die Anfechtung von Schürfrechten spezialisiert hatte.
Nach kurzem Aufenthalt in Wyoming und Texas kehrte Wyatt nach Californien
zurück, wo er von 1886 bis 1890 einen Saloon besaß. Dann zog er nach San Diego
und widmete sich der Vollblutzucht, gönnte sich 1896 aber eine kurze Pause und
leitete als Ringrichter den Boxkampf zwischen Bob Fitzsimmons und Tom Sharkey
(danach warf man Wyatt vor, er habe zugunsten von Sharkey Partei ergriffen).
Zwischen 1897 und 1901 hielt er sich hauptsächlich in Alaska auf, wo zu der Zeit
große Goldvorkommen entdeckt wurden, und betrieb in Nome einen Saloon. Eines
Abends wurde er dort von U.S. Marshal Albert Lowe geohrfeigt und entwaffnet,
weil er mit dem Revolver herumgefuchtelt hatte. In Californien erging es ihm
kaum besser. Bei einem Besuch in San Francisco wurde er im Mai 1900 von dem über
zwanzig Jahre jüngeren Boxer Mike Mulqueen bewußtlos geschlagen.
Ende 1901 kehrte Wyatt, von neuerlichen Edelmetallfunden angelockt, in den
Südwesten der USA zurück. Fünf Jahre lang zog er mit seiner Frau auf der Suche
nach günstigen Schürfgründen durch Nevada und eröffnete in Tonopah einen
weiteren Saloon. 1905 besuchte er in der Bergarbeitersiedlung Goldfield in
Nevada seinen Bruder Virgil und ließ sich anschließend in Los Angeles nieder. Er
unternahm gelegentlich Erkundungsreisen in die Nähe von Parker, Arizona, wo er
Schürfrechte besaß, widmete sich aber offenbar zunehmend diversen Hochstapeleien
und Schwindelgeschäften. Außerdem suchte er jemanden, der sich für eine
Veröffentlichung seiner Abenteuergeschichten interessierte, wandte sich in
dieser Angelegenheit aber vergebens an den Filmstar William S. Hart und den
Schriftsteller Walter Noble Burns. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1929 - er
war achzig Jahre alt - lernte er seinen Biographen Stuart N. Lake kennen.
King Fischer Fischer, John King
(geb. 1854, Collin County, Texas; gest. 11.März 1844, San Antonio, Texas)
>Zureiter, Cowboy, Rancher, Viehdieb, Saloonbesitzer, Ordnungshüter, Revolvermann<
Pat Garrett Garret, Patrick Floyde
(geb. 5.Juni 1850, Chambers County, Alabama; gest. 29.Februar,1908, bei Las Cruces, New Mexico)
>Kaufmännischer Angestellter, Cowboy, Büffeljäger, Cafebesitzer, Spieler, Barkeeper, Ordnungshüter, Rancher, Mietstallbesitzer, Zolleintreiber<
John Wesley Hardin"Wes", "Little Arkansas"
(geb. 26.Mai 1853, Bonham, Texas; gest. 19August 1895, El Paso, Texas)
>Lehrer, Farmer, Cowboy, Geschäftsmann, Sträfling, Anwalt<
Hardin, der Sohn eines Methodistenpfarrers, hatte berühmte Vorfahren (ein Hardin
hatte in der Schlacht am San Jacinto gegen die Mexicaner gekämpft, ein anderer
die texanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Wes` Großvater saß im
Kongreß der Republick Texas, und nach Richter William B. Hardin war das Hardin
County benannt). Wes` Vater hoffte, sein Sohn möge ebenfalls Pfarrer werden -
daher auch die Wahl des Namens -, obwohl er selbst nebenher als Lehrer und
Anwalt arbeiten mußte, um die Familie über Wasser zu halten. Als Wes zwei Jahre
alt war, zog die Familie ins südöstliche Texas, wo der Junge durch die Jagd und
(während des Bürgerkrieges) durch Schießübungen auf Standbilder von Abraham
Lincoln den Umgang mit der Waffe lernte.
Im Alter von elf Jahren trug Wes seinen ersten ernsthaften Kampf aus - bei einer
Messerstecherei verletzte er einen anderen Jungen an Brust und Rücken. Der
andere überlebte zwar, doch Wes hatte erstmals bewiesen, wie gefährlich er sein
konnte. Mit fünfzehn erschoß er einen ehemaligen Sklaven, und kurz darauf legte
er drei Soldaten, die ihn festnehmen wollten, einen Hinterhalt und tötete sie.
Danach brachte ihn sein Vater ins Navarro County, wo zahlreiche Verwandte der
Familie lebten, bei denen er Unterschlupf fand. In der abgeschiedenen Gemeinde
Pisgah Ridge war der sechzehn Jahre alte Killer einen Sommer lang als Lehrer
tätig.
Im nächsten Jahr arbeitete Wes in einem Rinder-Camp in der Nähe von Corsicana,
dem Verwaltungssitz des County, und lernte dort einen anderen Outlaw kennen:
Bill Longley. Bald darauf zog Wes in die kleine Ortschaft Towash, wo er einen
weiteren Mann tötete. Anschließend flüchtete er auf die Farm eines Onkels in der
Nähe von Brenham, wurde unterwegs aber in zwei weitere Schießerein verwickelt.
Nachdem er ein paar Monate lang auf der Farm seines Onkels gearbeitet hatte,
beschloß Wes, nach Louisiana umzusiedeln. In der osttexanischen Stadt Marshall
wurde er jedoch von einem Deputy Sheriff festgenommen und sollte mit mehreren
anderen Häftlingen zurückgebracht werden. Unterwegs tötete Hardin einen Wärter
und konnte entkommen. Anschließend fand er Unterschlupf auf einer in der Nähe
von Smiley in Südtexas gelegenen Ranch von Verwandten - darunter Mannen Clements
und seine Brüder.
Wes arbeitete eine Zeitlang als Cowboy, widmete sich dem Glücksspiel, nahm an
einer Schießerei teil und zog schließlich mit einer Herde auf dem Chisholm-Trail
nach Abilene. Während des Trecks tötete er im Indianer Territory einen Indianer.
Nachdem er in Kansas einen mexicanischen Killer zur Strecke gebracht hatte,
kehrte er nach Smiley zurück, lieferte sich dort eine weitere Schießerei mit
Ordnungshütern und konnte einmal mehr entkommen.
Kurz nach seiner Hochzeit mit Jane Bowen geriet Wes Hardin in drei weitere
Schießereien, wurde zweimal verletzt und in Gewahrsam genommen. Nachdem er von
Mannen Clements aus dem Gefängniss befreit worden war, schlug er sich in der
blutigen Sutton-Taylor-Fehde auf die Seite von Clements Vettern. Etwa ein Jahr
lang trat Wes kaum in Erscheinung, doch nachdem er 1874 den Deputy Sheriff
Charles Webb getötet hatte, wurde eine Belohnung von viertausend Dollar auf
seinen Kopf ausgesetzt, und die Texas Rangers hefteten sich auf seine Fährte.
Hardin, der sich als "J. H. Swain jr." ausgab, fuhr mit seiner Frau und seiner
kleinen Tochter (1875 bekam das Paar einen Sohn und zwei Jahre darauf eine
weitere Tochter) im Dampfschiff nach Florida. Drei Jahre lang betätigte er sich
in Florida und Alabama als Käufer und Verkäufer von Rindern und Pferden, betrieb
einen Saloon und eine Holzhandlung und führte ein weitgehend unauffälliges
Leben. 1877 jedoch wurde er von dem Texas Ranger John Armstrong und anderen
Ordnungshütern in einem Zug in der Nähe von Pensacola, Florida, festgenommen.
Bei einer anschließenden Gerichtsverhandlung wurde Hardin zu einer langen
Freiheitsstrafe im texanischen Staatsgefängnis von Huntsville verurteilt, wo er
während der Haft ein Jurastudium absolvierte. Im Februar 1894 wurde er aus dem
Zuchthaus entlassen, eröffnete in Gonzales eine Anwaltskanzlei und lebte dort
eine Zeitlang mit seinen Kindern (seine Frau war 1892 gestorben). Bald darauf
verlegte er die Kanzlei nach Junction und heiratete dort eine junge Frau, die
ihn noch am Hochzeitstag verließ. Danach eröffnete er eine Kanzlei in El Paso,
ließ sich in dieser berüchtigten Genzstadt mit allerlei zwielichtigen Existenzen
ein.
Er wurde am 19. August 1895, nach einer Auseinandersetzung, von John Selman
hinterrücks erschossen.
Hardin wurde 42 Jahre alt.
John Hughes Hughes, John Reynolds, "Border Boss"
(geb. 11 Februar 1857, Cambridge, Illinois; gest. 1946, Austin, Texas)
>Cowboy, Ranger, Ordnungshüter<
Doc Holliday Holliday, John Henry
(geb. Anfang 1852, Griffin, Georgia; gest. 8.November 1887, Glenwood Springs, Colorado)
>Zahnartz, Spieler, Saloonbesitzer<
Der aus einer wohlhabenden
Südstaatenfamilie stammende Holliday studierte Anfang der siebziger Jahre
Zahnmedizin. Etwa um diese Zeit erkrankte er an Tuberkulose und zog nach Westen,
weil er sich vom dortigen Klima eine Linderung seines Leidens und ein längeres
Leben versprach. Immerhin trotzte er 15 Jahre der Krankheit und erwarb sich in
dieser Zeit einen - allerdings übertriebenen - Ruf als eiskalter Killer. Er
praktizierte gelegentlich als Zahnarzt, widmete sich aber vor allem dem
Glücksspiel, zumeist als sogenannter Hausspieler in diversen Saloons.
Er tauchte in zahlreichen Boomtowns des Westens auf, so unter anderem in Dallas
und Fort Griffin, Texas, in Cheyenne, Wyoming, in Dodge City, Kansas, in Denver,
Leadville und Pueblo, Colorado, sowie in Tucson und Tombstone, Arizona.
In Tombstone nahm Holliday an der Seite seines Freundes Wyatt Earp an dem
legendären Gunfight am "O.K. Corral" teil.
Berühmt wurde auch seine Geliebte, die Prostituierte Big Nosed Kate Elder.
(Oftmals wird sie Kate Fisher bezeichnet, tatsächlich aber handelte es sich um
eine gewisse Katherine Elder aus Davenport, Iowa. Möglicherweise wurden sie und
Doc Holliday sogar in St. Louis getraut. Sie trennten sich 1881, nachdem sie Doc
vorgeworfen hatte, er sei an einem Postkutschenüberfall beteiligt gewesen, bei
dem der Kutscher Budd Philpot getötet worden war.) Holliday, der zusehends unter
den Folgen der Tuberkulose sowie seiner Trunksucht litt, begab sich in den
Kurort Glenwood Springs, wo er im Alter von 35 Jahren starb.
Wild Bill Hickok Hickok, James Butler
(geb. 27.Mai 1837, Troy Grove, Illinois; gest. 2.August 1876, Deadwood, Dakota Territory)
>Jäger, Fuhrmann, Arbeiter, Postkutscher, Militärkundschafter und -spion, Wild-West-Show Darsteller, Spieler, Ordnungshüter<
Jesse James James, Jesse Woodson
(geb 5.September 1847, Clay County, Missouri; gest. 3.April 1882, St. Joseph, Missouri)
>Farmer, Partisan, Bank- und Eisenbahnräuber<
Bill Longley Longlay, William Preston
(geb. 16.Oktober 1851, Austin County, Texas; gest. 11.Oktober 1878, Giddings, Texas)
>Farmer, Zureiter, Cowboy, Fuhrmann, Packmeister, Holzfäller<
Harvey Logan "Kid Curry"
(geb. 1865, Tama, Iowa; gest. 8.Juni 1904, Glenwood Sprigs, Colorado)
>Rustler, Rancher, Zureiter, Revolvermann, Bank- und Eisenbahnräuber<
Oliver Lee Lee, Oliver Milton
(geb. 1866, Buffalo Gap, Texas; gest. 15.Dezember 1941, Alamogordo, New Mexico)
>Rancher, Ordnungshüter, Parlamentsmitglied, Geschäftsmann<
Jim MillerMiller, James B.,"Killin Jim,Killer Miller,Deacon"
(geb. 24.,Oktober 1866, Van Buren, Arkansas; gest. 19.April 1909, Ada, Oklahoma)
>Cowboy, Rustler, Ordnungshüter, Saloonbesitzer, Spieler, Hotelier, Auftragskiller<
Dave Mather Mather, Dave H., "Mysterious Dave"
(geb. 1845 in Connecticut; gest. ?)
>Pferdedieb, Büffeljäger, Eisenbahn- und Postkutschenräuber, Ordnungshüter, Prospektor, Farmer, Spieler, Hotelangestellter<
Bat Masterson Masterson, William B.
(geb. 26.November 1853, County Rouville, Quebeck, Kanada; gest. 25.Oktober 1921, New York City, New York)
>Farmer, Arbeiter, Büffeljäger, Militärkundschafter, Spieler, Saloonbesitzer, Ordnungshüter, Revolvermann, Sportler, Boxkampfveranstalter, Sportreporter<
Jeff Milton Milton, Jeff Davis
(geb. 7.November 1861, Marianna, Florida; gest. 7.Mai 1947, Tucson, Arizona)
>Farmer, kaufmännischer Angestellter, Cowboy, Gefangenenaufseher, Ordnungshüter, Saloonbesitzer, Zollinspektor, Rancher, Eisenbahnschaffner und -heizer, Expreßbote, Prospektor, Ölsucher, Rangededektiv<
Tombstone
... und das legendäre Gefecht am
O.K. Corral
| Einleitung | Die Vorgeschichte | Das Gefecht | Das Nachspiel |
Die Vorgeschichte
Von Anfang an versprach Tombstone
so lebendig zu werden wie jede andere Stadt im amerikanischen Westen. Es war
zehn Monate alt, als es Wyatt Earp und seine Brüder im Dezember 1879 zum
erstenmal erblickten - eine staubige Ansammlung von Zelten und Buden, die sich
auf einem Hochplateau zwischen den Dragoon- und Whetstone-Bergen drängten. Doch
Reichtum floß aus den Silberminen der nahen San-Pedro-Hügel, und die
Einwohnerzahl der Stadt sollte innerhalb von zwei Jahren von null auf 5.600
hochschnellen. An dem Tag, an dem die Earps ankamen, wimmelte die Hauptstraße
von Goldsuchern, die sich Werkzeuge kauften, von Kaufleuten, die neue Geschäfte
errichteten, und von Zimmerleuten, die Ladenfronten mit hölzernen Gehsteigen vor
jeder Eingangstür bauten. Schwindler lagen auf der Lauer, um Fremde mit
Angeboten von Baugrundstücken zu locken, die ihnen nicht gehörten, oder mit
Anteilen an Minen, in denen es kein Erz gab. Ohne Zweifel betrachteten sie die
drei langbeinigen, schnurrbärtigen Earps erwartungsvoll. Die Brüder in schwarzen
Gehröcken und steifkrempigen Hüten, die ihren Frauen höflich aus den
ramponierten Wagen halfen, sahen so respektabel wie Geistliche aus.
Sie waren von weither gekommen: Wyatt und James 1.200 Kilometer von Dodge City
in Kansas, mit einem Umweg über Prescott in Arizona, um Virgil abzuholen, der
dort Gold gesucht hatte. Nach Tombstone hatte sie das gleiche gelockt wie die
meisten anderen auch: die angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. James, mit 38
Jahren der älteste von ihnen, hoffte vom Barkeeper zum Saloon-Besitzer
aufzusteigen. Virgil, ein schwergewichtiger Mann von 36 Jahren, der in Iowa und
Kansas Postkutscher gewesen war, wollte Silber schürfen oder zumindest Claims
abstecken, die die Earps mit schnellen Gewinn verkaufen konnten. In letzter Zeit
hatte er dazu noch einen Nebenberuf angenommen: In Prescott war er zeitweilig
als Deputy Sheriff tätig gewesen, und auf dem Wege nach Tombstone war er vom
U.S. Marshal für das Territorium Arizona als Deputy U.S. Marshal vereidigt
worden.
Wyatt Earp 31 Jahre alt, hatte eigene Pläne. Er verfügte über vielfältige
Erfahrungen, die annehmen ließen, daß seine Einstellung zum Gesetz recht
widersprüchlich war. Acht Jahre zuvor hatte man ihn und seine Freund in der Nähe
von Fort Gibson im heutigen Oklahoma des Pferdediebstahls beschuldigt und beide
vor einem Schwurgericht angeklagt. Doch Wyatt floh, bevor es zur Verhandlung
kam. Bei seiner nächsten Berührung mit dem Gesetz stand er auf der anderen
Seite. Er arbeitete als Polizist in Wichita, Kansas, wo ihn die Stadtväter
ermahnen mußten, die von ihm eingenommenen Strafgelder in den Stadtsäckel zu
überführen - andernfalls würde er keine Bezahlung erhalten. Wyatt zog nach Dodge
City weiter und wurde dort Assistant Marshal. Sein Gehalt als Polizist
verdoppelte er mehr als reichlich im führenden Saloon am Platze, dem Long Branch
wo er nebenbei als Kartengeber bei Faro und Monte, den populärsten Kartenspielen
des Grenzlands, tätig war. Dafür erhielt er von den Gewinnen des Hauses
Prozente, als Hüter des Gesetzes sorgte er dafür, daß verärgerte Verlierer das
Haus mit Anstand verließen. In Tombstone beabsichtigte er, seine Energien
ähnlich zu verteilen.
Als sie in der Stadt auftauchten, waren die Earps als Revolverhelden kaum
bekannt. James hätte diesen Ruf in keinen Fall verdient. Er hatte einen lahmen
Arm seit seiner Verwundung im Bürgerkrieg (1861 - 1865) und war ein
zurückhaltender Mensch, bei der Schießerei am O.K. Corral sollte er keine Rolle
spielen. Virgil und Wyatt waren aus anderem Holz geschnitzt. Beide hatten Übung
mit Waffen und kaum Bedenken, sie auch zu benutzen. Insbesondere Wyatt hatte
sich in Kansas den Ruf eines gefährlichen und furchtlosen Gegners erworben.
Daß in Tombstone gute Schützen benötigt würden, zeihte sich bald, nachdem die
Earps sich dort niedergelassen hatten. James entzog sich möglichen
Schwierigkeiten, indem er sich ganz dem Geschäft des Kneipenwirts widmete. Aber
Vigil und Wyatt gerieten sogleich mitten ins heiße Geschehen. Virgil mußte
seinen Plan, dem Gesetz nur nebenberuflich zu verdienen, aufgeben, als eines
Nachts ein Viehdieb, der sich einen Abend lang in der Stadt besaufen wollte,
zufällig den City Marshal erschoß. Man bat Virgil, seine Stellung vorübergehend
zu übernehmen, und man verlängerte später seine Amtszeit. Wyatts ursprüngliche
Pläne blieben davon unberührt. Er kaufte sich in die Spielkonzession des
luxuriösesten und profitabelsten Etablissements der Stadt ein, des Oriental
Saloon, und eröffnete einen Farotisch in einem Saloon gegenüber, der Eagle
Brewery. Daneben diente er als Ordnungshüter, zuerst als Deputy Sheriff und
später, als Virgil City Marshal wurde, als Helfer seines Bruders.
Anfang des Jahres 1880 stieß ein vierter Bruder, der 28jährige Morgan, zu den
drei Earps in Tombstone. Er war ein Hitzkopf, von seinen früheren Betätigungen
wußte man nur, daß er Arbeiter und gelegentlich Polizist gewesen war. Wyatt
brachte Morgan mit dem örtlichen Vertreter der Expreß-Spedition Wells, Fargo &
Co. zusammen, der ihn als berittenen und bewaffneten Wächter für die Postkutsche
nach Tucson einstellte, die elf Stunden unterwegs war. Zwischendurch fand
Morgan, wie Wyatt, zusätzlich Anstellung bei der städtischen Polizei.
Die eng
verbundene Earp-Sippe erhielt bald Verstärkung in der Person eines Freundes von
Wyatt aus alten Tagen in Dodge City: John Holliday. Er war ein
leidenschaftlicher Kartenspieler und ein ehemaliger Zahnarzt, der einmal eine
Praxis mit der dubiosen Zusicherung eröffnet hatte: "Bei Unzufriedenheit Geld
zurück". Holliday kam kurz nach den Earps in Tombstone an, er hatte sich in
Prescott etwas verspätet, weil ihm das Glück beim Faro-Spiel hold war. Er war 28
Jahre alt, Alkoholiker und tuberkulös, dazu leicht aufbrausend, kaltblütig und
immer zum Töten bereit.
In jedem Monat, der verging, wurde Tombstone zivilisierter. Das glaubte
zumindest Wells Spicer, ein ernsthafter junger Advokat, der eine Vorliebe für
Statistiken hatte. In einem Brief Anfang der achtziger Jahre berichtete er,
Tombstone besitze zwei Tanzhallen, ein Dutzend Spielhöllen und mehr als 20
Saloons. "Dennoch", so schrieb er, "gibt es Hoffnung, denn ich weiß von zwei
Bibeln in der Stadt".
In den folgenden Monaten gaben Schlemmerlokale, wie Julius Caesars New Yorker
Coffee House und das Maison Doreée des Cosmopolitan Hotels, ihre Eröffnung
bekannt, ihre Spezialitäten waren Rinderbrust à la flamande und Schinken
in Champagner-Sauce. Das Bird Cage Theatre führte neben weniger geistreichen
Unterhaltungsstücken auch Pinafore auf, und nach der Vorstellung konnten
die Damen und ihre Begleiter eine der beiden Eisdielen des Ortes aufsuchen,
während junge Burschen durch die Straße spazierten und Operettenmelodien sangen.
Eine Ära der Wohlanständigkeit schien sich anzukündigen.
Zunächst allerdings blieb Tombstone ein Ort, in dem wilde, rohe Sitten
vorherrschten, der aber seine Schattenseite zu verstecken verstand. Erst als
eines Sonntagabends ein paar leichte Mädchen und ihre Freunde auf der Straße
eine Feier improvisierten und dabei mit Revolvern in die Gegend feuerten, hatte
der Herausgeber des Lokalblatts Nugget das Gefühl, daß die Dinge außer
Kontrolle gerieten. "Die meisten von uns hier oben wohnen in Zelten", schrieb er
wütend, "und wenn Wahnsinnige herumtoben und ziellos um sich ballern wie in der
vergangenen Nacht, gibt es für keinen mehr Sicherheit".
Es war klar: Wer die Stadt unter Kontrolle bringen wollte, mußte entweder dem
Gesetz mit Nachdruck Geltung verschaffen - oder Einfluß auf die zerstrittene
Unterwelt von Tombstone gewinnen. Virgil und Wyatt Earp hatten plötzlich - eher
dank der Umstände als durch Planung - in beiden Sphären die Zügel der Macht in
der Hand. Diese unerwartet günstige Situation brachte beiden Brüdern Vorteile,
die sie vollständig ausnutzten - und zu wahren gedacht, notfalls mit gezogenem
Revolver.
Wie vorauszusehen war, hatten die Earps bald Feinde. Die größten waren die
Rancher, Cowboys und Viehdiebe, die außerhalb Tombstones lebten. Die Feindschaft
beruhte zum Teil auf der Antipathie, die zwischen vielen Stadt- und Landleuten
bestand. Für die Rancher und ihre Anhänger, von denen einige bereits in der
zweiten Generation dort lebten, waren die Einwohner von Tombstone nur Neulinge,
ja Eindringlinge, die Stadt selbst ein Schmutzfleck in einer bis dahin
grenzenlos weiten Landschaft. Den Bürgern von Tombstone wiederum galten die
Männer, die hin und wieder in die Stadt einritten, lediglich als Rabauken, als
Verwilderte, die Ordnung nicht anerkannten. Obendrein gingen sie viel zu
freizügig mit ihren Revolvern um, vor allem nach einer Nacht in den Saloons, sie
feuerten sogar - wie der Tombstone Epitaph rügte - "auf Mond und Sterne".
Wyatt Earp verabscheute diese Leute. Als er Schutzpolizist in den Rinderstädten
von Kansas war, machten sie ihm das Leben zur Plage, und auch hier bedeuteten
sie nur Ärger.
Bald stellte sich heraus, daß die aufsässigsten von ihnen zwei Gruppen von
Brüdern waren, die Clantons und die McLaurys. Sie waren seit den frühen
siebziger Jahren miteinander befreundet und hatten am Fluß San Pedro bereits
Vieh gezüchtet, bevor es die Stadt gab. Ursprünglich verkauften sie die Rinder
an die amerikanische Regierung, die damit die Apachen im Reservat San Carlos
versorgte, jetzt war Tombstone der Hauptabnehmer für ihr Vieh. Gewöhnlich kamen
sie in die Stadt, um Rechnungen zu begleichen oder auf einem der Fleischmärkte
ein neues Geschäft abzuschließen. Aber sie verkauften nicht nur ihre eigenen
Rinder. Ein großer Teil des Viehs, das am San Pedro graste, war in Mexico
gestohlen worden.
Der
wildeste unter den drei Clanton-Brüdern - Ike, Phineas und Billy - war Ike, er
widmete sich auch dem Nachtleben von Tombstone am intensivsten. Wo er
auftauchte, führte er sich gern als erfolgreicher Viehhändler und ehrlicher
Kämpfer ein. Die Earps erfaßten sehr schnell, was die Clantons unter Ehrlichkeit
verstanden: Ike hatte sich ein paar schnelle Pferde in Texas beschafft und war
immer bereit, sich mit anderen im Rennen zu messen. Wyatt Earp besaß ein Pferd,
das er für das schnellste der Gegend hielt - er war aber nicht in der Lage, das
zu beweisen, weil jemand es ihm gestohlen hatte. Als er Monate später das Pferd
wiederentdeckte, saß Billy Clanton im Sattel.
Diese Affäre wurde als Mißverständnis ausgegeben - wahrscheinlich, weil Wyatt in
bezug auf Pferdediebstahl allen Grund hatte, nachsichtig zu sein. Ein ernsteres
Problem entstand durch die Freunde der Clantons, die McLaurys: Eines Tages waren
sechs Maultiere von einer nahe gelegenen Armeestation verschwunden. Virgil Earp,
der als Deputy U.S. Marshal die Befugnis hatte, gestohlenes Staatseigentum
wieder herbeizuschaffen, ging mit Wyatt, Morgan und einem Sonderkommando der
Armee unter Leitung eines Leutnants auf die Suche. Sie fanden die Tiere auf der
McLaury-Ranch, und zwar gerade in dem Augenblick, als die Brüder anfingen, das
Brandzeichen "U.S." zu ändern. Sie versprachen, die Maultiere zurückzugeben,
woraufhin die Earps davonritten - nur um später zu erfahren, daß die Brüder es
irgendwie nicht fertiggebracht hatten, einige ihnen befreundete Viehdiebe davon
abzuhalten, mit dem Fang zu verschwinden. Damit waren die Beweisstücke
beseitigt, und man konnte die Täter nicht anklagen.
Die Clantons und McLaurys konnten ihren dubiosen Viehhandel weiterführen, weil
sie einen Freund am richtigen Platze hatten: John Behan, den Sheriff von Cochise
County, dessen Bezirkshauptstadt Tombstone war. Behan, im Februar 1881 zum
Sheriff ernannt, mußte sich nach Ablauf seiner Amtszeit einer Wahl stellen, so
wollte es das Gesetz. Ihm war völlig klar, daß er nur dann eine Chance hatte, im
Amt zu bleiben, wenn er unter den Cowboys eine Mehrheit fand. Folglich war er
eifrig auf die Wahrung ihrer Interessen bedacht, der gesetzlichen wie auch der
anderen.
Die Earps hielten wenig von Behan, weil er die Cowboys unterstützte, und er
erwiderte ihre Gefühle. Virgil Earp war natürlich sein Rivale, da er als City
Marshal von Tombstone die Polizei der Stadt befehligte und nicht Behan. Auch
Wyatt Earp war ein Rivale von Behan. Er fand das Amt des Sheriffs begehrenswert
und wollte gegen Behan kandidieren. Außerdem machte er neuerdings einer hübschen
jungen Schauspielerin den Hof, die in dem Stück Pinafore mitspielte. Sie
hatte bis dahin mit Behan gelebt, aber Wyatt konnte sie ganz für sich einnehmen.
Allmählich entwickelte sich aus dem Zwist zwischen den Earps und den Cowboys
tiefer Haß. Im Juli 1881 ließ Behan Doc Holliday, den Kumpan der Earps,
festnehmen. Er verdächtigte ihn, bei einem Anschlag auf die Postkutsche einige
Meilen außerhalb der Stadt den Kutscher getötet zu haben. Zwar wurde das
Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt, doch Holliday gehörte nicht zu den
Männern, die vergeben und vergessen. Ebensowenig konnten die Earps die Ohren vor
Gerüchten unbestimmten Ursprungs verschließen, daß sie den Anschlag organisiert
und sich dabei der intimen Kenntnis von Morgan bedient hätten, der ja Kurier bei
Wells, Fargo & Co. war. Die Brüder machten sich nichts aus diesem Gerede, aber -
wie sie später vor Gericht über die Fehde aussagten - sie bekamen auch zu hören,
daß die Clantons und die McLaurys es begrüßen würden, wenn die Earps aus dem
Wege geräumt wären.
Im September 1881 konnten die Earps den Cowboy und Behan zweimal eins
auswischen: Virgil Earp ordnete in seiner Eigenschaft als Deputy U.S. Marshal
die Festnahme eines Stellvertreters von Behan, Frank Stilwell, und eines
Freundes der Clantons, Pete Spence, wegen Überfalls auf eine Kutsche an. Ike
Clanton erschien vor Gericht und hinterlegte eine Kaution für die Gefangenen.
Auch Frank McLaury kam in die Stadt, als er von der Festnahme hörte: Die Freunde
der Clantons waren auch seine Freunde. Auf dem Gehsteig traf er zufällig Morgan
Earp und forderte ihn wütend auf, sich zur Straßenmitte zu begeben, wo sich Ike
Clanton mit einigen Kumpanen versammelt hatte. Sie standen einander eine Weile
stumm gegenüber, dann sagte Frank McLaury zu Morgan Earp: "Falls du mich jemals
verfolgst - du wirst mich nicht kriegen".
Das war eine öffentliche Herausforderung, und eine blutige Entscheidung schien
unvermeidbar. Offensichtlich gingen die Cowboys davon aus, daß sie Zeit und Ort
dafür bestimmen würden - doch die Earps dachten nicht daran, ihnen einen Vorteil
zu geben.
Am 25. Oktober - also einen Tag vor der tödlichen Begegnung - kamen Ike Clanton
und Tom McLaury mit einem Wagen nach Tombstone, ließen ihn mit dem Gespann auf
einem Corral, der Sheriff Behan gehörte, und begaben sich in zwei verschiedene
Hotels. Billy Clanton und Frank McLaury sollten am nächsten Tag in der Stadt
ankommen. Die McLaury-Brüder wollten von Bauer`s Union Market ihr Geld abholen,
das sie für den Verkauf von Vieh bekommen hatten. Billy Clanton hatte vielleicht
nur die Aufgabe, am Morgen Ike abzuholen. Billy war der jüngere, aber reifere
von beiden, er überwachte seinen Bruder gerne mit fast väterlichen Auge, und Ike
erklärte, der Zweck seines Besuchs in Tombstone sei eine Nacht in den Saloons.
Das Gefecht am O.K. Corral
Ike begann seine Runde früh am
Abend des 25., und er kippte den Whisky Schluck um Schluck bis nach Mitternacht.
Um ein Uhr früh ging er in den Alhambra Saloon, setzte sich hinten im Speiseraum
an einen Tisch und bestellte sich etwas zu essen. Er bemerkte weder Wyatt Earp,
der an der Imbißtheke saß, noch Morgan Earp, der dahinter am Tresen stand. Dann
kam Doc Holliday herein. Der Anblick des Feindes brachte ihn sofort in Rage, und
er wollte eine Entscheidung gleich an Ort und Stelle provozieren. Mit großen
Schritten ging er an Clantons Tisch und fauchte ihn an: "Du Dreckskerl von einem
Cowboy, nimm deinen Revolver und fang an!".
"Ich habe keinen Revolver", antwortete Ike. Während die Männer stritten, rief
Wyatt Earp seinen Bruder am Tresen. Morgan Earp war gerade im Dienst, und Wyatt
empfahl ihm, die Streithähne zu trennen. Morgan schwang seine langen Beine über
die Imbißtheke, ergriff Holliday am Arm und zerrte ihn auf die Straße. Ike stand
auf und folgte ihnen. Wyatt, wie immer etwas bedächtiger, beendete erst seine
Mahlzeit und ging dann hinaus.
Draußen auf dem Gehsteig kochte Doc Holliday immer noch vor Wut. "Haste keine
Waffe, dann hol dir eine", sagte er zu Ike. Morgan schürte das Feuer: "Ihr könnt
euern Kampf ja haben, jetzt", bot er den beiden an. Ike fühlte sich
benachteiligt, weil er keinen Revolver bei sich hatte, lehnte ab und ging davon.
Aber nicht zu Bett, ein Pokerspieler in einem anderen Saloon, das die ganze
Nacht dauerte, nahm seine Aufmerksamkeit in Anspruch - ein verhängnisvoller
Zeitvertreib, denn bei Sonnenaufgang war er streitsüchtig und konnte kaum mehr
aus den Augen sehen.
An jenem Vormittag wurde Wyatt Earp um 11.30 Uhr von Ned Boyle, dem Barkeeper
vom Oriental Saloon, geweckt. Er hatte Ike auf der Straße getroffen, und der
hatte ihm anvertraut: "Sobald diese verdammten Earps auf der Straße erscheinen,
geht der Tanz los". Wyatt eilte zum Saloon und erfuhr dort, daß Ike inzwischen
mit einem Gewehr und einem Revolver bewaffnet war, er machte sich auf die Suche
nach Virgil. Zusammen sahen sie sich nach Ike um. Das Vorspiel zum Endkampf
hatte begonnen.
Virgil entdeckte Ike in einer Seitengasse, schlich sich von hinten an und
ergriff sein Gewehr. Ike versuchte, seinen Sechsschüsser zu ziehen, aber Virgil
schlug ihm einen Revolver auf den Schädel und zwang ihn damit in die Knie.
"Warste hinter mir her ?" fragte Virgil in milden Ton. "Hätte ich dich eine
Sekunde eher gesehen, wärste jetzt tot", sagte Ike. Virgil nahm ihn auf der
Stelle wegen Tragens von Feuerwaffen innerhalb der Stadtgrenzen fest. In dem
Augenblick kam Morgan Earp dazu, und beide Brüder führten ihn zum
Friedensrichter A.O. Wallace ab.
Als Wyatt Earp von dem Vorfall erfuhr, ging er zum Gerichtssaal. Dort sah er,
daß Ike außerhalb der Schranken saß und sich das Blut mit einem Taschentuch vom
Kopf wischte. Wyatt ging an ihm vorbei und setzte sich auf eine Bank innerhalb
der Schranken, um auf den Richter zu warten. Dann drehte er sich zu IKe um und
sagte: "Du hast mich zwei- oder dreimal bedroht. Ich will, daß das aufhört". Ike
murmelte ein paar Worte. "Du verdammter mistiger Kuhdieb", fuhr Wyatt fort,
"wenn du unbedingt kämpfen willst - ich warte auf dich!" - "Wir treffen uns,
wenn ich hier fertig bin", antwortete Ike.
In diesem
Augenblick nahm Morgan Ikes Gewehr und den Revolver an sich, die als
Beweismittel hereingebracht worden waren. Er hielt die Winchester, ihre
Schaftkappe befand sich am Boden, und bot höhnisch an, Ikes Strafe zu bezahlen,
wenn er mit ihm kämpfen wolle. "Ich mache dich überall und auf jede Art fertig",
erwiderte Ike.
Bevor er seine Zeugenaussage gemacht hatte, verließ Wyatt nun den Gerichtssaal
und lief beinahe Tom McLaury in die Arme, der gerade eintreten wollte, um sich
um Ike zu kümmern. Es ergab sich ein kurzer, wütender Wortwechsel. McLaury
sagte: "Wenn du scharf bist auf einen Kampf - ich liefere dir einen, überall".
Wyatt zog seinen Revolver und antwortete: "In Ordnung, kämpf` doch hier", schlug
McLaury mit der linken Hand ins Gesicht und mit der rechten den Revolverlauf
über den Schädel. McLaury blieb auf der Straße liegen, ausgestreckt und mit
glasigen Augen, und Wyatt ging davon.
Zufällig war an diesem Tage ein Freund der Clantons und der McLaurys in der
Stadt, ein hochaufgeschossener junger Postkutschenfahrer namens Billy Claibourne.
Als er von Ikes Verhaftung erfuhr, eilte er zum Gerichtssaal. Ike hatte seine
Strafe bezahlt, jetzt mußte seine Kopfwunde verbunden werden. Claibourne nahm
ihn mit zu Dr. Gillinghams Praxis und ließ ihn dort allein. Wenige Minuten
später lief er Billy Clanton und Frank McLaury in die Arme, die gerade in der
Stadt angekommen waren, und berichtete ihnen die Neuigkeiten. Billy Clanton war
wütend, daß sein Bruder schon wieder einmal in der Patsche saß. "Ich will, daß
Ike nach Hause geht", sagte er. "Ich bin nicht hergekommen, um mit irgend
jemanden zu kämpfen". Ein paar Minuten später kam Ike daher, sein Kopf war
verbunden. "Hol dein Pferd und reite nach Hause", herrschte Billy ihn an.
"Ich
reite schon los", beruhigte ihn Ike. Die Männer gingen zusammen zu Bauer`s
Market in der Fremont Street. Zu dieser Zeit saß Sheriff Behan beim Barbier in
der Allen Street und ließ sich rasieren. Von seinem Platz aus konnte er sehen,
wie sich an der Ecke eine Menge versammelte. Wyatt und Morgan Earp standen mit
Doc Holliday zusammen, Virgil Earp hielt sich in der Nähe auf, an seiner Seite
hatte er eine Schrotflinte. Der Barbier stellte fest, sicherlich gäbe es nun
wirklich Ärger zwischen den Earps und den Cowboys. Behan hörte damit zum
erstenmal etwas über die Ereignisse des Tages. Er eilte nach draußen und sagte
Virgil, er wolle die Cowboys entwaffnen, wenn ihn die Earps ein paar Minuten mit
ihnen allein ließen. Die Earps blieben, wo sie waren, aber kurz nachdem Behan
weggegangen war, erfuhren sie, daß die Cowboys immer noch in der Fremont Street
waren und ihre Waffen trugen. Die Earps gingen los und kündigten an, daß sie die
Clantons und die McLaurys nunmehr verhaften würden.
Die Earps, in schwarzen Mänteln und Stetson-Hüten, mit Krawatten vorne über
ihren weißen Hemden, bewegten sich langsam und vorsichtig, beinahe gemessenen
Schrittes. Doc Holliday, in einem langen grauen Mantel, mit einem Rohrstock in
der Hand, folgte ihnen.
"Doc, das ist unser Kampf", sagte Wyatt über die Schulter zu Jon Holliday. "Kein
Mensch hat dich gebeten, dich hier einzumischen".
"Daß du mir das sagst, finde ich übel", antwortete Doc. Er war beleidigt, Wyatt
war sein bester Freund, Virgil hielt inne und ernannte Doc auf der Stelle zu
seinem Stellvertreter. Er nahm Docs Rohrstock, übergab ihm seine eigene
Schrotflinte, sagte ihm, er solle sie unter dem Mantel tragen, und die vier
Männer marschierten weiter.
Von der Ecke der Fourth Street aus sahen sie in der Fremont Street die Clantons
und die McLaurys - FrankMcLaury hatte die Zügel seines Pferdes in der Hand. Sie
standen auf dem Gehsteig hinter dem Geschäft von Camillus Fly, das gleichzeitig
Pension und Photo-Atelier war. Sheriff Behan bemühte sich, sie zur Übergabe der
Waffen zu überreden. Ike Clanton betonte, er sei gar nicht bewaffnet, was Behan
überprüfte, indem er Ikes Taille abtastete. Tom McLaury schlug seine Weste auf,
um zu zeigen, daß auch er unbewaffnet sei. Aber Billy Clanton und Frank McLaury
trugen Sechsschüsser, und an Franks Pferd hing in einem Gewehrschuh ein Gewehr.
"Jungs, ihr müßt mir eure Waffen geben", sagte Behan zu ihnen. "Nur wenn du die
Earps auch entwaffnest", sagte Frank.
"Bleibt hier", befahl ihnen Behan und ging auf die näherkommenden Earps zu. Sie
trafen sich unter der Markise von Bauer`s Meat Market. "Earp, um Himmels willen,
geh nicht weiter", sagte Behan zu Virgil.
"Ich werde sie entwaffnen", fuhr ihn Virgil an. Die Earps und Doc Holliday
drängten an Behan vorbei. "Zurück! Ich bin der Sheriff von diesem County!"
brüllte er und rannte ihnen hinterher.
Als die
Earps und Doc Holliday bei Flys Laden ankamen, zogen sich die Clantons und die
McLaurys auf das leere Grundstück danebden zurück, das auf der anderen Seite von
einen kleinen Privathaus begrenzt wurde, es gehörte einem William Harwood. Die
Clantons und die McLaurys reihten sich mit den Rücken gegen die Hauswand auf,
Frank McLaury hatte sein Pferd neben sich. Die Earps kamen einige Schritte
näher. Virgil, mit Docs Stock in der Rechten, war vorn. Hinter ihm standen Wyatt
und Morgan, dahinter Doc. Die Schrotflinte von Virgil war deutlich erkennbar,
weil sich sein Mantel im Winde öffnete. Als die beiden Gruppen sich mit weniger
als zwei Meter Abstand gegenüberstanden, verdrückte sich Sheriff Behan an die
Seite von Flys Haus, wohin ihm eilig Billy Claibourne folgte.
Die Clantons und die McLaurys waren, ohne es zu merken, selbst in eine Falle
geraten. Vorne riegelten die Earps das Grundstück ab, die Häuser von Fly und
Harwood begrenzten es an den Seiten. Nur nach hinten konnte man sich bewegen,
dort lagen freies Gelände und die offenen Boxen des O.K. Corral. Das Grundstück
selber - ein verwildertes, leeres Stück Land von etwa sechs Metern Breite - ließ
keine Ausweichmanöver zu, bot keine Deckung.
Möglicherweise fühlten sich die Cowboys gefangen, aber sie zeigten das nicht.
Durch die zahlreichen mehr zufälligen Zusammenstöße der letzten Stunden waren
sie an einem Punkt, von dem aus es kein Zurück mehr gab, an einem Ort der
Entscheidung, der für die Earps günstiger war als für sie selbst. Dennoch
übernahmen sie - unvorbereitet, wie sie waren - die Initiative. In die Stille
hinein machte es Klick-klick, als Billy Clanton und Frank McLaury ihre
Sechsschüsser im Halfter spannten. "Halt! Gebt mir eure Kanonen", rief Virgil
Earp. Da brüllte jemand: "Du Hundesohn" - und die nächsten Worte gingen im
ersten Schußwechsel unter. Augenzeugen haben das Schwirren der Kugeln und den
tödlichen Tumult später beschrieben.
Billy Clanton richtete seinen Revolver mit ausgestrecktem Arm auf Wyatt Earp.
Wyatt achtete nicht auf ihn, zog einen Sechsschüsser aus der Manteltasche und
feuerte auf Frank McLaury, der als der beste Schütze der vier Cowboys galt.
Billy verfehlte Wyatt, aber Wyatt traf: Frank McLaury taumelte, in den Bauch
getroffen, auf die Straße. Als Tom McLaury sah, daß sein Bruder verwundet war,
riß er seine Weste auseinander und rief: "Ich habe nichts!" Vergeblich hatte er
nach dem Gewehr im Gewehrschuh an Franks Pferd gegriffen, jetzt nahm er hinter
dem Tier Deckung.
Billy Clanton, Ziel von Morgan Earps Sechsschüsser, erwischte es als nächsten.
Eine Kugel durchschlug sein rechtes Handgelenk, eine andere traf ihn in die
Brust. Er schwankte, fiel nach hinten gegen ein Fenster des Harwood-Hauses und
sank langsam auf die Erde. Doch dabei nahm er noch seine Waffe in die linke
Hand, legte den Lauf auf den rechten Arm und feuerte - wenn auch unsicher -
weiter.
Billys Bruder Ike suchte unterdessen seine eigene Haut zu retten. Gleich nach
dem ersten Schüssen hatte sich Ike auf Wyatt Earp gestürtzt. Dabei blieb unklar,
ob er Wyatt die Waffe entwinden oder eine Feuerpause erzwingen wollte.
Jedenfalls ergriff er Wyatts Arm und versuchte, dessen Schulter zu umklammern.
Als Wyatt sah, daß Ike keinen Revolver in der Hand hatte, schob er ihn kalt mit
den Worten beiseite: "Schieß oder hau ab!". Ike rannte auf die Tür von Flys
Laden zu. Doc Holliday schickte ihm eine Schrotladung nach, aber er konnte
unversehrt ins Haus gelangen. Behan, der wie angewurzelt dagestanden hatte,
sprang mit einem Satz ebenfalls in Deckung. Er zog Billy Claibourne mit sich zur
Hintertür von Flys Haus und folgte ihm hinein. Gleich darauf stürtzte Ike aus
dieser Tür und verschwand hinter den Boxen des O.K. Corral. Er rannte weiter,
ohne anzuhalten, bis er eine mexicanische Tanzhalle in der Allen Street
erreichte, wo er Unterschlupf fand.
Auf dem Platz hinter dem Corral war inzwischen Franks Pferd auf die Straße
gestürmt. Tom McLaury hatte keine Deckung mehr. Doc Holliday zielte auf ihn und
schoß. Die Schrotflinte ließ ihn diesmal nicht wie bei Ike im Stich. Die Ladung
schlug durch Toms Weste in seine rechte Seite. Tom taumelte die Fremont Street
hinunter bis zur Ecke der Third Street, wo er zusammenbrach und starb.
In Sekundenschnelle war Ike geflohen, die drei anderen Cowboys waren verwundet.
Zwei von ihnen gaben noch nicht auf. Der erste der Feinde, der das zu spüren
bekam, war Virgil Earp. Er hatte sich an der Schießerei nicht beteiligt. Zu
Beginn hatte er Docs Rohrstock in die linke Hand genommen und seinen Revolver
gezogen, um auf Billy Clanton zu schießen, aber Morgan war ihm zuvorgekommen. Er
stand auf dem Platz, als ihn eine Kugel in die Wade traf. Virgil sank zu Boden -
ungefähr drei Meter von Billy entfernt, der über seinen Arm hinweg
weiterfeuerte.
Auch Frank McLaury war nicht bereit aufzugeben, trotz seiner Bauchverletzung.
Als sein Pferd auf die Straße gestürmt kam, versuchte er noch, sein Gewehr aus
dem Gewehrschuh zu ziehen, aber das verschreckte Tier scheute und rannte davon.
Da zog McLaury seinen Sechsschüsser - und sah die Augen von Doc Holliday aus
kaum zwei Metern Entfernung auf sich gerichtet. Doc hatte sich der unhandlichen
Schrotflinte von Virgil Earp entledigt und hielt seinen eigenen Revolver in der
Hand. Beide Männer schossen gleichzeitig, ein dritter Schuß kam von links - von
Morgan Earp. McLaury krümmte sich, unterm Ohr getroffen. Sein eigener Schuß
jedoch war durch Doc Hollidays Hüfte gegangen. Man hatte immer gesagt, auf Doc
könne man nicht leicht zielen, weil er von Tuberkulose und Whisky so ausgezehrt
war, daß man ihn von der Seite kaum sehen könne. Dies hatte Frank McLaury in der
letzten halben Sekunde seines Lebens widerlegt.
Billy Clanton, der die Schießerei niemals gewollt hatte, sollte den letzten
Schuß für die Cowboys abgeben. Er zielte auf Morgan Earp, und es gelang ihm, ihn
an der Schulter zu treffen. Er taumelte und fiel hin. Billy versuchte
aufzustehen. Morgan und Wyatt Earp feuerten gemeinsam, unterhalb der Rippen
getroffen, brach Billy wieder zusammen.
Plötzlich war die Schießerei beendet, über eine stille Szenerie zog Pulverrauch.
Camillus Fly kam aus seinem Haus, überquerte das Grundstück und lief zu Billy
Clanton, der noch im Sterben versuchte, seinen Sechsschüsser zu spannen. "Gib
mir noch ein paar Patronen", flehte er. Fly nahm ihm die Waffe aus der schlaffen
Hand.
Das Nachspiel
Der Kampf war vorbei. Drei der acht Teilnehmer waren tot, zwei verwundet und
zwei - Ike Clanton und Wyatt Earp - unverletzt. Der Sekundenzeiger der Uhr hatte
noch nicht einmal eine Runde gedreht, und eine Feindschaft war durch ein Ritual
bereinigt, dem sich kein Beteiligter entziehen konnte. Aber die Rechnung war
noch nicht völlig beglichen.
Bis zum späten Nachmittag war Tombstone in hellem Aufruhr. In den Minen der
Umgebung schrillten Pfeifen, die Arbeiter bewaffneten sich und marschierten in
die Stadt, damit Ordnung gewahrt blieb. Die Häuser der Earps wurden von ihren
Verbündeten bewacht, um sie vor den Freunden der Clantons und McLaurys zu
schützen. Man vermutete, sie würden eilends in die Stadt reiten, um Rache zu
nehmen. Die Leichen der drei Männer wurden zu Ritter & Ream, dem
Beerdigungsinstitut, geschafft. Zwei Tage nach der Schießerei zog der Leichenzug
durch die von Menschen gesäumten Straßen, angeführt von der städtischen
Blaskapelle. An einer Stelle hielt ein Freund der Opfer ein Schild hoch, als die
Prozession vorüberzog. Es trug die Worte: ERmordet in den Straßen von Tombstone.
Die Frage von Schuld und Unschuld wurde von ganz Tombstone wochenlang
debattiert. Die Leichenschaukommission kam zu keinem klaren Spruch. Sheriff
Behan sperrte Wyatt Earp und Doc Holliday nach der Untersuchung unter Anklage
des Mordes ins Gefängnis. (Virgil und Morgan Earp, die sich noch von ihren
Wunden erholten, wurden nicht festgenommen, aber Virgil wurde als City Marshal
suspendiert.) Der Fall kam vor den Polizeirichter Wells Spicer, den Mann, der
Hoffnung auf Verbesserung der Lage hatte, als zwei Bibeln in der Stadt zu finden
waren. Zum Schluß, nach 30tägiger Beweisaufnahme, entschied der Richter, daß das
Vorgehen der Angeklagten gerechtfertigt gewesen sei. Sie waren, so urteilte er,
"Beamte, die den Auftrag hatten, tapfere und entschlossene Männer festzunehmen
und zu entwaffnen - Männer, die blitzschnell und todsicher schossen und die
zuvor ihre Absichten verkündet hatten, sich weder festnehmen noch entwaffnen zu
lassen.
Spicer sprach jedoch die Earp-Clique nicht völlig von Schuld frei. Er stellte
fest, daß Virgil Earp als Polizeichef einen "unüberlegten und sträflichen Akt"
begangen habe, als er Wyatt und Doc veranlaßte, ihm bei der Festnahme und
Entwaffnung der Clantons und der McLaurys zu helfen. Immerhin, fuhr Spicer fort,
gäbe es auch mildernde Umstände. Mit der Aufzählung dieser Umstände war auch
Tombstone treffend gekennzeichnet: "Zu berücksichtigen ist der Stand der Dinge
un einem Siedlungsgebiet: die Gesetzlosigkeit und die Geringschätzung von
Menschenleben, das Vorhandensein von Menschen, die das Gesetz herausfordern, die
überall vorhandene Angst und das Gefühl der Unsicherheit, die Vermutungen, daß
hier vorwiegend schlechte, verzweifelte und rücksichtlose Männer lebten, die das
Land terrorisierten. Zu bedenken sind auch die vielen Drohungen, die gegenüber
den Earps geäußert wurden. Ich kann deshalb dieser unklugen Handlung kein
verbrecherisches Motiv unterstellen".
Diese Entscheidung befriedigte die Freunde der Opfer nicht. Schon zwei Monate
nach der Schießerei wurde Virgil Earp, der wieder auf den Beinen war, mit Schrot
beschossen, als er bei Dunkelheit die Fifth Street überquerte. Die Angreifer
entkamen unerkannt. Virgils linker Arm war zerschmettert. Er wurde in ein Zimmer
des Cosmopolitan Hotels gebracht, und bald versammelten sich seine Frau Allie
und einige Freunde um ihn. Virgil versuchte, seine Frau zu trösten: "Laß mal",
sagte er, "ich habe ja noch einen anderen Arm, mit dem ich dich umarmen kann".
Drei Monate später, an einem Samstagabend im März 1882, befanden sich Wyatt und
Morgan Earp in einem Billardsaal in der Allen Street. Als Morgan sich mit seinem
Billardstock über den Tisch beugte, wurde zweimal durch das Glas der Hintertür
gefeuert. Morgan fiel zu Boden, seine Wirbelsäule war von einer Kugel
zerschmettert. Er versuchte zu scherzen, als man ihn zur Couch trug: "Das soll
mein letztes Billardspiel gewesen sein". Aber innerhalb einer halben Stunde war
er tot. Augenzeugen hatten drei Männer vom Tatort wegrennen sehen - zwei davon
waren Pete Spence, der Freund der Clantons, und Frank Stilwell, Sheriff Behans
Stellvertreter, den Virgil Earp im September des Vorjahres wegen eines Überfalls
auf eine Kutsche festgenommen hatte, der dritte war angeblich ein Indianer.
Drei Tage danach bestiegen Virgil Earp und seine Frau den Zug Richtung Westen,
sie geleiteten Morgans Sarg nach Californien, wo die Eltern der Earps sich
niedergelassen hatten. Wyatt Earp und Doc Holliday kamen bis Tucson mit, um
Virgil zu schützen. Als der Zug in Tucson hielt, wurde Frank Stilwell, bewaffnet
mit einem Revolver, im Hintergrund gesichtet. Am nächsten Morgen fanden
Eisenbahner den toten Stilwell. Er hatte sechs Kugeln in Brust und Beinen und
war aus nächster Entfernung erschossen worden, seine Kleidung zeigte
Brandflecken vom Mündungsfeuer. Als die Leiche gefunden wurde, waren Wyatt Earp
und Doc Holliday auf dem Weg zurück nach Tombstone.
Noch in derselben Nacht versammelte Wyatt eine Menge Freunde um sich, um Jagd zu
machen auf Pete Spence und den anonymen Indianer, die seinen jüngeren Bruder
getötet hatten. Während sie hinaus in die Wildnis ritten, brachte Sheriff Behan
selber eine Gruppe von Männern auf die Beine, um Wyatt Earp und Doc Holliday zu
finden und wegen des Mordes an Stilwell zu verhaften. Am nächsten Morgen, dem
22. März, fanden und töteten Wyatts Leute den "Indianer", der in Wahrheit ein
mexicanischer Holzfäller war, in Pete Spences Holzlager in den Dragoon-Bergen.
Spence selbst konnte Wyatts Rache entgehen. Während Behans Mannschaft auf der
Suche nach ihnen die Hügel durchstreiften, flohen Wyatt Earp, Doc Holliday und
einige ihrer Kumpane. Ungefähr eine Woche später stiegen sie in Albuquerque in
New Mexico vom Pferd. Sie waren erschöpft und wundgeritten, aber an einem Ort,
den das Gesetz von Arizona nicht erreichen konnte.
Für Tombstone war endlich alles vorbei: die Fehde, die Schießerei, das
Nachspiel. Aber die Legende über diese blutigen Tage sollte erst entstehen.
Überall im Westen veröffentlichten die Zeitungen Berichte über den Krieg der
Earps in Tombstone, die auch die Presse im Osten übernahm. Genau wie jede andere
Schießerei festigte das Drama am O.K. Corral den Ruf der Revolverhelden im
amerikanischen Westen: Sie waren die kraftstrotzenden, grobschlächtigen
Abenteurer, deren Kühnheit - nicht aber deren Tugend - außer Zweifel stand.