GUNFIGHTER

Zahllos sind die Legenden, die sich um die "Revolverhelden" des Wilden Westens ranken. Romantische Filme, Bücher, Groschenromane, Songs und Musicals halten das Andenken an den braven Gesetzeshüter hoch, der, um Law and Order zu verteidigen, zum Colt greifen muß gegen den hinterhältigen, schurkischen, aber unglaublich schnell ziehenden Outlaw.

Billy the Kid, Wyatt Earp, Jesse James, Butch Cassidy und Sundance Kid, die Dalton Brothers - sie gehören zum festen Inventar unseres Bildes vom Wilden Westen. Zahllose Legenden ranken sich um ihr abenteuerliches Leben als Gesetzlose. Die Wirklichkeit sah anders aus ...

Gunfighter im Originalton Statistik der Gunfighter Chronologie der Ereignisse Die Gunfighter O.K Corral


Die Bedeutung des schnellen Ziehens wird völlig falsch eingeschätzt. Kein Bild aus dem amerikanischen Westens ist so tief verwurzelt wie die Darstellung des Revolverduells : Zwei Männer, die Hände lose über dem Revolvergriff, gehen aufeinander zu, um festzustellen, wer schneller ziehen und schießen kann. Dann eine jähe, kaum wahrnehmbare Bewegung, zwei nahezu gleichzeitig fallende Schüsse, und ein Mann geht, von der ersten Kugel getroffen, zu Boden. Bei einen echten Gunfight hingegen kam es vor allem auf die Treffsicherheit, nicht jedoch auf die Schnelligkeit an. Häufig trugen die Revolvermänner ihre Waffe nicht einmal im Holster. Man steckte den Revolver in die Gesäßtasche, in den Hosenbund oder die Jackentasche, und fast immer zog man ein Gewehr oder eine Schrotflinte der Faustfeuerwaffe vor. Vornehmliches Ziel einer Schießerei war es nicht, den anderen Mann zuerst oder an die richtige Stelle zu treffen, sondern ihn überhaupt zu treffen. Es kam bei Revolverkämpfen ein ums andere mal vor, daß Männer ihre Waffen auf den Gegner leer schossen, ohne ihn überhaupt oder allenfalls leicht zu verletzen. Die Schnelligkeit beim Ziehen spielte keine Rolle.

Irrig sind auch die Vorstellungen über die Anzahl der von den Revolvermännern erzielten tödlichen Treffer - von den 21 Opfern eines Billy the Kid bis hin zu John Wesley Hardin, der mehr als 40 Menschen getötet haben soll ...

... die meisten Gunfighter aber töteten im Laufe ihrer "Karriere" nur wenige Menschen. Bat Masterson zum Beispiel brachte nur einen Mann um und war nur gerade an drei Schießereien beteiligt. Es gibt keinerlei gesicherte Hinweise darauf, daß Billy the Kid mehr als vier Männer auf dem Gewissen hatte, und Hardin tötete aller Wahrscheinlichkeit nach allenfalls ein knappes Dutzend Menschen. Der typische Gunfighter feuerte seine Waffe nur gelegentlich auf andere Männer ab, und zu Todesfällen kam es dabei höchst selten.

 

 

Die Gunfighter im Originalton

Für 300 Dollar würde ich mit einer abgesägten Schrottflinte jeden in Stücke schiessen.

Mannen Clements

Trotz aller Gewalt und Gesetzlosigkeit, die es in meinem Leben gab glaube ich fest daran, daß eine weise Vorsehung über mich gewacht hat. So brenzlig die Lage auch gewesen sein mag, wenn ich Beistand bei einer höheren Macht gesucht habe, hat sie mich nie in Stich gelassen. Ich gehe sogar noch weiter und sage, daß manches mal, wenn es so aussah, als käme ich nicht umhin, einen Mann zu töten, im entscheidenden Moment irgendeine unsichtbare Macht ergriffen hat. ... Zwar habe ich ein, zwei Männer verletzt, aber ich habe nicht einen Menschen ums Leben gebracht.

George Coe

Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe... lautet, das der Sieger in einem Revolverduell für gewöhnlich derjenige war, der sich Zeit ließ. Zweitens mußte ich, wenn ich im Grenzgebiet zu überleben gedachte, jegliche aufsehen erregenden Schießkunststücke - alles großspurige gehabe - meiden wie die Pest. ... In all den Jahren, die ich als Ordnungshüter im Grenzgebiet zubrachte, habe ich nicht einen wirklich tüchtigen Gunfighter gekannt, der etwas anderes als Verachtung für den Mann empfand, der den Revolver um den Finger wickeln ließ oder buchstäblich aus der Hüfte schoß.

Wyatt Earp

Niemals gedachte ich (mit Billy the Kid) irgendwelche Risiken einzugehen, wenn sich dies durch Vorsicht und Schläue vermeiden ließe. Nur unter bestimmten, vom Zufall abhängigen Umständen hätten wir einander zu gleichen Bedingungen messen können, und dazu wäre ich meinerseits nicht bereit gewesen.

Pat Garret

Was das töten angeht - darüber mache ich mir keine große Gedanken. Ich glaube nicht an Gespenster, und ich lasse auch nicht die ganze Nacht das Licht brennen, um sie fernzuhalten.Weil ich nämlich kein Mörder bin. In einem Kampf heißt es, ich oder der andere, und ich überlege ständig: Ist das hier eine Sünde? Und was nützt es, wenn man sich hinter her den Kopf zerbricht.

Wild Bill Hickok

Versuche nie, mit einem Sechsschüsser zu bluffen. Schon mancher Mann wurde in seinen Stiefeln zu Grabe getragen, weil er so töricht war u d zu seinem Schießeisen griff, um jemanden Angst einzujagen. Denk immer daran, daß ein Sechsschüsser einzig und allein dazu da ist, den anderen Kerl zu töten... Wenn du einen Mann mit der Waffe anhalten mußt, dann umfasse den Griff deines Revolvers mit eiserner Hand, damit er nicht verreißt, und versuche ihn genau in Höhe der Gürtelschnalle zu treffen. Das ist die breiteste Stelle zwischen Scheitel und Sohle.

Bat Masterson

In meinem Fall war ungehorsam der erste Schritt; danach kam der Whisky, die Revolver, das Glücksspiel und schließlich Mord, und der nächste, nehme ich an, wird mich zum Galgen führen.

Bill Longlay (Er hatte recht.)

Ich glaube nicht, daß die Kugel, die mich töten soll, jemals gegossen wird.

Dallas Stoudenmire (Er irrte sich.)

 

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Statistik der Gunfighter

Wer waren die "größten" Revolvermänner ? In der untenstehenden Auflistung sind sowohl die aktivsten und "erfolgreichsten" Revolvermänner enthalten als auch andere, die ebenfalls als "erfolgreich" galten deren Ruf aber eindeutig überzeichnet wurde.

 

Revolvermann Anzahl der Opfer Anzahl der Schießereien Wahrscheinliche, aber nicht sichere Opfer
Jim Miller 12 14 1
John Wesly Hardin 11 19 1
Bill Longley 11 12 2
Harvey Logan 9 11 0
Wild Bill Hickok 7 8 1
John Selman 6 8 0
Dallas Stoudenmire 5 8 2
Cullan Baker 5 7 3
King Fisher 5 4 0
Billy the Kid 4 16 5
Ben Thompson 4 14 2
Henry Brown 4 10 5
John Slaughter 4 8 2
Clay Allison 4 4 0
Jim Courtright 4 3 0
John Hughes 3 12 8
Cole Younger 3 7 2
John Younger 3 4 1
Doc Holliday 2 8 2
Pat Garret 2 6 2
Burt Alvord 2 6 1
Oliver Lee 2 5 2
Dave Mather 2 5 1
Luke Short 2 5 0
Heck Thomas 1 10 3
Jesse James 1 9 3
Bill Tilghman 1 7 0
Bat Masterson 1 3 0
Jack Slade 1 3 0
John Ringo 1 2 0
Jeff Milton 0 8 6
Wyett Earp 0 5 5
Sundance Kid 0 4 0

> Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit ! <

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Chronologie der Ereignisse im amerikanischen Westen zur Zeit der Revolvermänner

Welche Ereignisse schürten die Gerüchteküche und regten zu allerlei Fachsimpeleien in den Saloons und Gefängnissen, den Absteigen und Schlupfwinkel an, in denen Gunfighter verkehrten? In der nachfolgenden Auflistung werden die herausragenden Begebenheiten aus der Epoche der Gunfighter des amerikanischen Westens aufgeführt; hier wird das Ableben bekannter Revolvermänner vermerkt, auf die bedeutenderen Fehden und Weidekriege hingewiesen und, in aller Kürze, auf die spektakulärsten Schießereien eingegangen.

1861 Schießerei zwischen der "McCanles-Gang" und Wild Bill Hickok (12.Juli, Rock Creek Station, Nebraska).
   
1864 Henry Plummer und viele seiner Montana-Outlaws werden gehängt.
  Jack Slade wird gehängt (10.März, Virginia City, Montana).
   
1865 Duell zwischen Dave Tutt und Wild Bill Hickok (21. Juli, Sprigfield, Missouri).
   
1870 Auseinandersetzung zwischen Wild Bill Hickok und in Fort Hays stationierten Kavalleristen (17.Juli, Fort Hays, Kansas).
   
1871 Große Schießerei am 20. August im Saloon von Newton, Kansas.
  Schießerei zwischen Wild Bill Hickok und Philip Coe (5.Oktober, Abilene, Kansas).
   
1873 Blutiger Zweikampf zwischen Arthur McCluskie und Hugh Anderson (Juni, Medecine Lodge, Kansas).
  Sheriff C.B. Whitney wird von Billy Thompson getötet (15-.August, Ellsworth, Kansas).
  Horrel War (Lincoln County, New Mexico).
   
1874 Schußwechsel zwischen John Younger und Detektiven (16.März, Monegaw Springs, Missouri).
  Höhepunkt der Sutton-Taylor-Fehde in Texas.
   
1876 Auseinandersetzung zwischen Bat Masterson und Sergeant Ed King (24. Januar, Mobeetie, Texas).
  Wild Bill Hickok wird ermordet (2.August, Deadwood, Dakota Territory).
  Überfall der James-Younger-Gang auf die Bank von Nothfield, Minnesota (7.September).
   
1877 Höhepunkt der Horrel-Higgins-Fehde im Umland von Lampasasw, Texas.
   
1878 Schußwechsel zwischen Ed Masterson und Texanern (9.April, Dodge City, Kansas).
  Gefecht zwischen Texas Rangers und der Sam-Bass-Gang (19.Juli, Round Rock, Texas).
  Wild Bill Longley wird gehängt (11.Oktober, Giddin, Texas)
  Lincoln County War (Lincoln County, New Mexico).
   
1880 Pat Garrett jagt Billy the Kid und seine Gang.
   
1881 Vier Tote bei  Schußwechsel mit Dallas Stoudenmire in El Paso (14.April, El Paso, Texas).
  Billy the Kid schießt sich den Fluchtweg aus dem Gefängnis frei (28.April, Lincoln, New Mexico).
  Billy the Kid wird getötet (14. Juli, Fort Summer, New Mexico).
  Gunfight am OK-Corral (26.Oktober, Tombstone, Arizona).
   
1882 Jesse James wird ermordet (3.April, St. Joseph, Missouri).
  John Ringo wird getötet (14.Juli, Turkey Creek Canyon, Arizona)
  Dallas Stoudenmire wird von den Manning-Brüdern getötet (18. September, El Paso, Texas).
  Auseinandersetzung zwischen Buckskin Frank Leslie und Billy Claiborne (14.November, Tombstone, Arizona).
   
1884 Ben Thompson und King Fischer werden getötet (11. März, San Antonio, Texas).
  Angriff auf Elfego Baca (Oktober, Francisco, New Mexico)
  Bankraub in Medecine Lodge, Kansas (15.Dezember)
   
1887 Auseinandersetzung zwischen Luke Short und Longhaired Jim Courtright (8.Februar, Fort Worth, Texas).
  Doc Holliday stirbt eines friedlichen Todes (8.November, Glenwood Springs, Colorado).
  Pleasant Vallye War in Arizona.
   
1892 Überfall der Dalton.Gang auf Coffeyville, Kansas (5.Oktober).
  Johnson County War (Wyoming).
   
1893 Schießerei zwischen Ordnungshütern und der Doolin-Gang (1.September, Ingalls, Oklahoma).
   
1895 John Wesley Hardin wird von John Selman getötet (19.August, El Paso, Texas).
   
1896 Bill Doolin wird von einer Posse getötet (25.August, Lawson, Oklahoma).
   
1898 Blütezeit des Wild Bunch um Butch Cassidy.
   
1900 Auseinandersetzung zwischen Jeff Milton und Burt Alvords Gang (15. Februar, Fairbanks, Arizona).
   
1904 Harvey Logan wird getötet (8.Mai, bei Glenwood Springs, Colorado).
   
1908 Pat Garret wird ermordet (29.Februar, bei Las Cruces, New Mexico).
  Feuergefecht bolivianischer Soldaten mit Butch Cassidy und Sundance Kid.
   
1909 Jim ("Killer") Miller wird gelyncht (19. April, Ada, Oklahoma).
   
1924 Bill Tilghman wird getötet (1.November, Cromwell, Oklahoma).

 

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Hier erfahrt Ihr mehr über die bekanntesten Gunfighter; den Namen einfach anklicken !

>Diese Liste wird ständig erweitert <

A        
Burt Alvord Clay Allison      
B        
Cullan Baker Billy the Kid Henry Brown    
C        
Jim Courtright        
E        
Wyatt Earp        
F        
King Fischer        
G        
Pat Garrett        
H        
John Wesley Hardin   John Hughes Doc Holliday Wild Bill Hickok  
I-J        
Jesse James        
K        
Billy the Kid Sundance Kid      
L        
Bill Longley Harvey Logan Oliver Lee    
M        
Jim Miller Dave Mather Bat Masterson Jeff Milton  
N-O-P-Q        
R        
John Ringo        
S        
John Selman Dallas Stoudenmire John Slaughter Luke Short Jack Slade
Sundance Kid        
T - U - V - W        
Ben Thompson Heck Thomas Bill Tilghman Wild Bill Hickok  
X - Y - Z        
Cole Younger John Younger      

 

Clay Allison    Allison, Robert A. Clay                   

(geb. 1840 in Waynesboro, Tennessee; gest. 1.Juli 1887, Pecos, Texas)

>Farmer, Soldat, Cowboy, Rancher, Rindermakler<

 Bis zu seinem einundzwanzigsten Lebensjahr wohnte und arbeitete Clay Allison auf der Farm seiner Familie in Tennessee. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich trotz einer Körperbehinderung - er hatte einen Klumpfuß - freiwillig zur Verteidigung seines Heimatstaates und diente während des ganzen Konfliktes bei diversen Einheiten der konföderierten Armee.

Ein paar Monate nach Kriegsende verließen drei der Allison Brüder - Clay, John und Monroe - mit ihrer Schwester Mary und deren Mann Lewis Coleman Tennessee und zogen nach Texas. Als sie unterwegs den Red River überquerten, schlug der streitsüchtige Allison den Fährmann Zachary Colbert bei einem Boxkampf zusammen.

Kurz darauf verdingte er sich als Cowboy bei Oliver Loving und Charles Goodnight, und vermutlich war er einer der achtzehn Treiber, welche die beiden Rinderzüchter 1866 bei ihrem Viehtreck durch Texas, New Mexico und Colorado begleiteten. (Dieser Treck sollte später unter dem Namen Goodnight-Loving Trail berühmt werden.) Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts ritt Allison außerdem für M. L. Dalton und arbeitete als Treckboß für die Rinderzucht, die sein Schwager mit Isaac W. Lacy betrieb. 1870 siedelten Coleman und Lacy nach New Mexico um und ließen sich auf einem Stück Land im Colfax Country nieder. Allison trieb ihre Herde zu der neuen Ranch und wurde dafür mit dreihundert Stück Vieh belohnt. Mit dieser kleinen Herde gründete er in der Nähe von Cimarron, New Mexico, eine eigene Ranch, die er schließlich zu einem einträglichen Unternehmen ausbaute.

Am 7. Oktober 1870 führte Allison einen Mob an, der in das Gefängnis von Elizabethtown in der Nähe von Cimarron einbrach und einen des Mordes beschuldigten Mann namens Charles Kennedy lynchte. Kennedy wurde im örtlichen Schlachthof gehängt, worauf ihn der sich wie entfesselt gebärdende Allison enthauptete und den Kopf auf einem Holzpfosten in Henri Lamberts Saloon in Cimarron zur Schau stellte. Im Januar 1874 erschoß Allison den Revolvermann Chunk Colbert, und kurz darauf wurde er des Mordes an Charles Cooper verdächtigt.

Etwa zu dieser Zeit hatte Allison, seit jeher ein harter Trinker, in alkoholisierten Zustand eine Auseinandersetzung mit einem wackeren Bürger namens Mason T. Bowman. Allison und Bowman, die sich in einem Saloon trafen, wollten feststellen, wer von ihnen schneller ziehen könne. Nachdem Bowman wiederholt gewonnen hatte, zogen sich beide Männer bis auf die Unterwäsche aus und vollführten halb nackt und stockbetrunken einen wilden Tanz vor dem begeisterten Publikum. Schließlich schossen sie sich gegenseitig auf die Füße, um zu sehen, wer der bessere Tänzer sei, beendeten aber ihr tolles Treiben, ehe etwas Schlimmeres geschah.

Am 30. Oktober 1875 war Allison an einem weiteren Lynchmord im Colfax Country beteiligt. Diesmal führte er einen Mob an, der den mutmaßlichen Mörder Cruz Vega ergriff. Der verängstigte Vega gestand, daß Manuel Cárdenas der eigentliche Täter sei, wurde aber trotzdem an einem Telegraphenmast aufgehängt und bekam zur Sicherheit noch einen Schuß in den Rücken verpaßt. Wieder mißhandelte der blutrünstige Allison das Opfer, er schlang den Strick, an dem der Leichnam hing, um seinem Sattelknauf und schleifte ihn über Felsen und quer durchs Gestrüpp. Zwei Tage später töteten Allison den Revolvermann Pancho Griego, einen Freund von Cruz.

Anschließend bekam Allison Schwierigkeiten mit seinen Nachbarn im Colfax Country, unter ihnen auch sein Schwager, und als Antwort auf einen bissigen Zeitungskommentar verwüstete er die Redaktionsräume der Cimarron News and Press. Nach dem mißglückten versuch, der Army eine Herde Maultiere zu stehlen, schoß er sich auf der Flucht versehentlich in den rechten Fuß, wodurch seine Körperbehinderung noch verschlimmert wurde, so daß er fortan am Stock gehen mußte. Im Dezember 1876 tötete er bei einer wilden Schießerei in einem Tanzlokal einen Deputy Sheriff, wurde später aber wieder aus der Haft entlassen. Zwei Jahre darauf trieb er eine Rinderherde nach Osten und nahm an dem berühmten East St. Louis Scrimmage teil, einer wilden Prügelei, bei der er einen Mann namens Alexander Kessinger zusammenschlug. Kurz darauf verkaufte er seine Ranch und ließ sich als Rindermakler in Hays City, Kansas, nieder.

1880 war Allison auf eine Ranch im Hemphill Country, Texas, umgesiedelt, und im Jahr darauf nahm er sich eine Frau. Er zeugte zwei Töchter - Patsy, die verkrüppelt zur Welt kam, und Clay, die erst nach seinem Tod geboren wurde. 1886 gründete er eine weitere Ranch im Lincoln County, New Mexico, und noch im gleichen Jahr trieb er eine Herde nach Rock Creek im Wyoming Territory. Dort soller, so will es die Legende, von heftigen Zahnschmerzen heimgesucht worden sein und sich auf der Suche nach einem Zahnarzt zu den in der Nähe wohnenden Cheyenne begeben haben. Der Zahnarzt nahm sich den falschen Zahn vor, worauf Clay zu einem anderen Zahnarzt ging und den Schaden beheben ließ. Danach kehrte der aufgebrachte Allison zum ersten Heilkundigen zurück, zog dem Unglücklichen gewaltsam - und, so darf vermutet werden, unsachgemäß - einen Schneidezahn und wollte sich gerade einen weiteren vornehmen, als auf die Schreie des Zahnarztes hin zahlreiche Schaulustige angelockt wurden, die ihm Einhalt geboten.

Ein Jahr später geriet Allison etwa vierzig Meilen außerhalb von Pecos, Texas, wo er Vorräte hatte einkaufen wollen, unter einen Wagen. Er zog sich an einem Vorderrad einen Schädelbruch zu und starb knapp eine Stunde später.
 

Burt Alvord                   

(geb. 1866; gest. um 1910 in Lateinamerica)

>Mietstallbediensteter, Ordnugshüter, Rinderdieb, Eisenbahnräuber, Sträfling<

Alvord kam in jungen Jahren mit seinem Vater, einem Friedensrichter, in den Westen. Noch als Teenager arbeitete er als Stallknecht beim O.K. Corral in Tombstone, wo er die berühmte Schießerei und drei Jahre später den Lynchmord an John Heath miterlebte. Als John Slaughter 1886 zum Sheriff des Cochise County gewählt wurde, wurde der zwanzigjährige Alvord sein Deputy und seine rechte Hand.

Die nächsten vier Jahre half Alvord Slaughter beim Aufspüren zahlreicher Diebe und Rustler. Als stets liebenswürdiger Stammgast vieler Bars entwickelte er ein besonderes Geschick dafür, Auskünfte über den Verbleib diverser flüchtiger Straftäter zu beschaffen. Mitte der neunziger Jahre zog Alvord nach Mexico und betätigte sich eine Zeitlang als Viehdieb, schlug sich aber bald wieder auf die Seite des Gesetzes und wurde Constable (Ortspolizist) in Fairbank und danach in Willcox, Arizona.

Obwohl er ein geachteter Ordnungshüter war, nutzte Alvord seine Stellung aus und wurde Anführer einer Bande von Eisenbahnräubern. Mit seinem Komplizen und Deputy Billy Stiles wurde er in den Jahren 1900 und 1903 festgenommen, konnte aber beide Male wieder entkommen. Anschließend ließ Alvord das Gerücht verbreiten, er und Stiles seien getötet worden, und schickte zwei Särge nach Tombstone. Das Täuschungsmanöver mißlang, und die Ordnungshüter des Staates Arizona setzten ihre Suche nach den beiden Bandenführern fort.

1904 wurde Alvord erneut gefaßt und erst nach zweijährigem Gefängnisaufenthalt in Yuma entlassen, worauf er nach Lateinamerica zog. Meldungen zufolge wurde er danach in Venezuela, in Honduras und in Panama gesehen, wo er beim Bau des Kanals mitwirkte. Er starb um das Jahr 1910.
 

Cullan Baker    Baker, Cullan Montgomery       

(geb. 22.Juni 1835, Weakly County, Tennessee; gest. 6.Januar 1869 im südwestlichen Arkansas)

>Farmer, Soldat, Fährmann, Bandit)

 

 

 

Billy The Kid                   

Henry McCarty, William Bonney, Henry Antrim, Kid Antrim, William Antrin

(geb 1859 in Indiana oder New York; gest. 14.Juli 1881, Fort Summer, New Mexico)

>Fuhrmann, Cowboy, Rustler, Revolvermann<

Der kleine Henry McCarty mit den vorstehenden Zähnen, der entweder in New York oder in Indiana zur Welt kam, wurde unter dem Namen William Bonney oder Billy the Kid ein berühmter Outlaw. Während des Bürgerkrieges zog Billy mit seinen Eltern und dem älteren Bruder Joe nach Kansas. Nach dem Tod des Vaters siedelte die Witwe McCarty mit ihren beiden Kindern nach New Mexico um und heiratete 1873 in Santa Fe einen gewissen William Antrim. Die Familie ließ sich in Silver City nieder, wo Mrs. Antrim 1874 starb.

Billy beging bald darauf kleine Diebstähle, wurde eingesperrt und konnte entkommen. Zwei Jahre lang schlug er sich als Fuhrmann, Cowboy und Hilfsarbeiter im und um das Graham County im östlichen Arizona durch. 1877 tötete er in Fort Grant einen Mann und wurde wegen Mordes angeklagt. Er konnte aber entkommen, kehrte nach New Mexico zurück und ging einen Winter lang mit George Coe auf die Jagd.

Wenig später fand Billy the Kid eine Anstellung auf der Ranch des Engländers John Tunstall im Lincoln County. Als Tunstall ermordet wurde, schwor Billy blutige Rache, die er während des anschließenden "Lincoln County War" auch weidlich auskostete. Er war bei der Posse, die drei Revolvermänner der gegnerischen Partei ermordete, er legte den Hinterhalt, bei dem Sheriff William Brady und Deputy George Hindman ums Leben kamen, und er war an der Schießerei von Blazer`s Mill beteiligt.

Bei dem viertägigen Gefecht im Juli 1878 verteidigte Billy the Kid mit seinen Gefährten Alexander McSweens Haus und zählte zu den wenigen Überlebenden des verzweifelten Ausbruchsversuchs. Auf ein Amnestieversprechen von Gouverneur Lew Wallace hin stellte er sich schließlich der Obrigkeit. Doch der Gerichtstermin rückte näher, Billy wurde nervös, mißtraute den rechtlichen Formalitäten, entfernte sich schließlich aus dem "Gewahrsam" und verstieß damit gegen die Amnestieauflagen. Er gründete eine Bande von Viehdieben und stieß auf seinen Raubzügen mit Dave Rudabaugh, Charlie Bowdre und Tom O`Folliard bis in den texanischen Panhandle vor. Billy tötete den Spieler Joe Grant, entkam einer Posse, die ihn an der Greathouse-Ranch in der Nähe von White Oaks stellte, und schoß sich den Fluchtweg frei, nachdem Pat Garrett ihn in einen Hinterhalt gelockt hatte.

Als er von Pat Garretts Posse in seinem Versteck in Stinking Springs belagert wurde, ergab sich Billy the Kid und wurde im Dezember 1880 in Lincoln eingekerkert. Vier Monate später tötete er zwei Wärter und konnte entkommen. Ein knappes Vierteljahr darauf wurde er von Pat Garrett in Fort Sumner getötet.

Billy the Kids Leben und Taten waren bei weitem nicht so aufsehenerregend, wie sie im nachhinein dargestellt wurden. Zweifellos war er eine ebenso schillernde wie gewalttätige Persönlichkeit, doch als Revolvermann trat er nur knapp vier Jahre lang in Erscheinung, und tötete nicht mehr als ein halbes Dutzend Menschen.
 

Henry Brown    Brown, Henry Newton       

(geb. 1857, Cold Spring Township, Missouri; gest. 30.April 1884, Medecine Lodge, Kansas)

>Farmer, Cowboy, Büffeljäger, Rinderdieb, Revolvermann, Ordnungshüter, Bankräuber<

 

Jim Courtright                   

Courtright, Timothy Isaiah (Longhaired Jim)

(geb. 1848 in Iowa; gest. 8.Februar 1887, Fort Worth, Texas)

>Soldat, Armeekundschafter, Ordnungshüter, organisierter Schieber, Bergwerkswachmann,Ranch-Vormann, Privatdetektiv<

 

 

Wyatt Earp    Earp, Wyatt Berry Stapp                   

(geb 19. März 1848, Monmouth, Illinois; gest. 13.Januar 1929, Los Angeles, California)

>Farmer, Streckenarbeiter, Büffeljäger, Pferdedieb, Saloonbesitzer, Spieler, Hochstapler, Sportler, Ordungshüter, Prospektor<

Wyatt Berry Stapp Earp Wyatt Earp, über dessen Leben die widersprüchlichsten Darstellungen kursieren, ist zweifellos eine der umstrittensten Gestalten des amerikanischen Westens. Als Sohn eines unsteten Pioniers zog er mit seinem Familienclan von Missouri über Iowa nach Californien. Er war Anfang zwanzig, als er sich als Streckenarbeiter bei der Eisenbahn verdingte und so zurück nach Missouri gelangte.

Im Jahr 1870 heiratete Wyatt in Lamar, Missouri, wo er noch im gleichen Jahr seinen Halbbruder Newton Earp bei der Bewerbung um den Posten eines Stadtkonstablers ausstach. Dreieinhalb Monate nach der Hochzeit starb seine Frau. Danach kam es zwischen Wyatt und seinen Brüdern James, Morgan und Virgil auf der einen und Fred und Bert Sutherland, den beiden Brüdern der verstorbenen Frau, sowie den drei Brummet-Söhnen Granville, Lloyd und Garden auf der anderen Seite zu einem 20 Minuten langen Straßenkampf. Wie die Auseinandersetzung ausging und ob dabei Schußwaffen zum Einsatz kamen, weiß man nicht. Kurz darauf jedenfalls zogen die Earps nach Kansas weiter.

Wyatt ging zwei Jahre lang auf die Büffeljagd, wurde im Indian Territory wegen Pferdediebstahl festgenommen und wandte sich dann immer mehr dem Glücksspiel zu, wozu er sich häufig nach Hays City begab, 1875 war er Stadtpolizist in Wichita, wo er für Routinefestnahmen zuständig war und sich beinahe mit der eigenen Waffe verletzte. Er weigerte sich, Bußgelder abzuliefern, die er Prostituierten abverlangt hatte und wurde daraufhin aus dem Polizeidienst entlassen und aus der Stadt verwiesen wurde. Danach wurde Earp Polizist in Dodge City, streifte eine Weile durch Texas und wurde schließlich stellvertretender Marshal von Dodge, wo er zudem als Geistlicher der Unierten Kirche tätig war. 1876 wurde er in Dodge von einem riesigen Cowboy namens Red Sweeney bei einem Streit wegen eines Tanzsalonmädchens windelweich geschlagen.

Im September 1879 verließ Earp Dodge City, ging nach Las Vegas, New Mexico, und stieß dort zu seinen Familienangehörigen sowie Doc Holliday. Unterwegs machte er in Mobeetie, Texas, halt, wurde aber von Deputy Sheriff James McIntire aus der Stadt gejagt, nachdem er mit Mysterious Dave Mather einen "Goldziegel"-Schwindel versucht hatte.

Wenige Monate später zogen Wyatt, James und Virgil Earp mit ihren Familien nach Tombstone. (Wyatt hatte kurz zuvor seine zweite Frau Mattie geheiratet, die er 1882 verließ. Sie wurde Prostituierte und beging am 3. Juli 1888 im Alter von dreißig Jahren in der Bergarbeiterstadt Pinal in Arizona Selbstmord.)

Nach den Ereignissen in Tombstone zog Wyatt quer durch den Westen. 1882 war er in San Francisco, wo er Josie, seine dritte Frau, heiratete. 1883 hielt er sich in Colorado auf und besuchte zweimal Dodge City, um dort Luke Short, ein Mitglied der berühmten, wenn auch kurzlebigen Dodge City Peace Commission, zu unterstützen. 1884 wurde er vom Goldrausch in Coeur d`Alene nach Idaho gelockt und blieb dort fast ein Jahr lang, ehe er wieder nach Colorado zog. In Idaho besaß Wyatt zwei Saloons, spekulierte mit seinem Bruder auf mehrere vielversprechende Goldadern und stand in Verbindung mit einem Syndikat, das sich auf die Anfechtung von Schürfrechten spezialisiert hatte.

Nach kurzem Aufenthalt in Wyoming und Texas kehrte Wyatt nach Californien zurück, wo er von 1886 bis 1890 einen Saloon besaß. Dann zog er nach San Diego und widmete sich der Vollblutzucht, gönnte sich 1896 aber eine kurze Pause und leitete als Ringrichter den Boxkampf zwischen Bob Fitzsimmons und Tom Sharkey (danach warf man Wyatt vor, er habe zugunsten von Sharkey Partei ergriffen). Zwischen 1897 und 1901 hielt er sich hauptsächlich in Alaska auf, wo zu der Zeit große Goldvorkommen entdeckt wurden, und betrieb in Nome einen Saloon. Eines Abends wurde er dort von U.S. Marshal Albert Lowe geohrfeigt und entwaffnet, weil er mit dem Revolver herumgefuchtelt hatte. In Californien erging es ihm kaum besser. Bei einem Besuch in San Francisco wurde er im Mai 1900 von dem über zwanzig Jahre jüngeren Boxer Mike Mulqueen bewußtlos geschlagen.

Ende 1901 kehrte Wyatt, von neuerlichen Edelmetallfunden angelockt, in den Südwesten der USA zurück. Fünf Jahre lang zog er mit seiner Frau auf der Suche nach günstigen Schürfgründen durch Nevada und eröffnete in Tonopah einen weiteren Saloon. 1905 besuchte er in der Bergarbeitersiedlung Goldfield in Nevada seinen Bruder Virgil und ließ sich anschließend in Los Angeles nieder. Er unternahm gelegentlich Erkundungsreisen in die Nähe von Parker, Arizona, wo er Schürfrechte besaß, widmete sich aber offenbar zunehmend diversen Hochstapeleien und Schwindelgeschäften. Außerdem suchte er jemanden, der sich für eine Veröffentlichung seiner Abenteuergeschichten interessierte, wandte sich in dieser Angelegenheit aber vergebens an den Filmstar William S. Hart und den Schriftsteller Walter Noble Burns. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1929 - er war achzig Jahre alt - lernte er seinen Biographen Stuart N. Lake kennen.

King Fischer  Fischer, John King                   

(geb. 1854, Collin County, Texas; gest. 11.März 1844, San Antonio, Texas)

>Zureiter, Cowboy, Rancher, Viehdieb, Saloonbesitzer, Ordnungshüter, Revolvermann<

 

 

Pat Garrett    Garret, Patrick Floyde               

(geb. 5.Juni 1850, Chambers County, Alabama; gest. 29.Februar,1908, bei Las Cruces, New Mexico)

>Kaufmännischer Angestellter, Cowboy, Büffeljäger, Cafebesitzer, Spieler, Barkeeper, Ordnungshüter, Rancher, Mietstallbesitzer, Zolleintreiber<

 

 

John Wesley Hardin"Wes", "Little Arkansas"

(geb. 26.Mai 1853, Bonham, Texas; gest. 19August 1895, El Paso, Texas)

>Lehrer, Farmer, Cowboy, Geschäftsmann, Sträfling, Anwalt<

Das Foto entstand, nachdem er von John Selman in El Paso niedergeschossen worden war. Hardin, der Sohn eines Methodistenpfarrers, hatte berühmte Vorfahren (ein Hardin hatte in der Schlacht am San Jacinto gegen die Mexicaner gekämpft, ein anderer die texanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Wes` Großvater saß im Kongreß der Republick Texas, und nach Richter William B. Hardin war das Hardin County benannt). Wes` Vater hoffte, sein Sohn möge ebenfalls Pfarrer werden - daher auch die Wahl des Namens -, obwohl er selbst nebenher als Lehrer und Anwalt arbeiten mußte, um die Familie über Wasser zu halten. Als Wes zwei Jahre alt war, zog die Familie ins südöstliche Texas, wo der Junge durch die Jagd und (während des Bürgerkrieges) durch Schießübungen auf Standbilder von Abraham Lincoln den Umgang mit der Waffe lernte.

Im Alter von elf Jahren trug Wes seinen ersten ernsthaften Kampf aus - bei einer Messerstecherei verletzte er einen anderen Jungen an Brust und Rücken. Der andere überlebte zwar, doch Wes hatte erstmals bewiesen, wie gefährlich er sein konnte. Mit fünfzehn erschoß er einen ehemaligen Sklaven, und kurz darauf legte er drei Soldaten, die ihn festnehmen wollten, einen Hinterhalt und tötete sie. Danach brachte ihn sein Vater ins Navarro County, wo zahlreiche Verwandte der Familie lebten, bei denen er Unterschlupf fand. In der abgeschiedenen Gemeinde Pisgah Ridge war der sechzehn Jahre alte Killer einen Sommer lang als Lehrer tätig.

Im nächsten Jahr arbeitete Wes in einem Rinder-Camp in der Nähe von Corsicana, dem Verwaltungssitz des County, und lernte dort einen anderen Outlaw kennen: Bill Longley. Bald darauf zog Wes in die kleine Ortschaft Towash, wo er einen weiteren Mann tötete. Anschließend flüchtete er auf die Farm eines Onkels in der Nähe von Brenham, wurde unterwegs aber in zwei weitere Schießerein verwickelt.

Nachdem er ein paar Monate lang auf der Farm seines Onkels gearbeitet hatte, beschloß Wes, nach Louisiana umzusiedeln. In der osttexanischen Stadt Marshall wurde er jedoch von einem Deputy Sheriff festgenommen und sollte mit mehreren anderen Häftlingen zurückgebracht werden. Unterwegs tötete Hardin einen Wärter und konnte entkommen. Anschließend fand er Unterschlupf auf einer in der Nähe von Smiley in Südtexas gelegenen Ranch von Verwandten - darunter Mannen Clements und seine Brüder.

Wes arbeitete eine Zeitlang als Cowboy, widmete sich dem Glücksspiel, nahm an einer Schießerei teil und zog schließlich mit einer Herde auf dem Chisholm-Trail nach Abilene. Während des Trecks tötete er im Indianer Territory einen Indianer. Nachdem er in Kansas einen mexicanischen Killer zur Strecke gebracht hatte, kehrte er nach Smiley zurück, lieferte sich dort eine weitere Schießerei mit Ordnungshütern und konnte einmal mehr entkommen.

Kurz nach seiner Hochzeit mit Jane Bowen geriet Wes Hardin in drei weitere Schießereien, wurde zweimal verletzt und in Gewahrsam genommen. Nachdem er von Mannen Clements aus dem Gefängniss befreit worden war, schlug er sich in der blutigen Sutton-Taylor-Fehde auf die Seite von Clements Vettern. Etwa ein Jahr lang trat Wes kaum in Erscheinung, doch nachdem er 1874 den Deputy Sheriff Charles Webb getötet hatte, wurde eine Belohnung von viertausend Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt, und die Texas Rangers hefteten sich auf seine Fährte.

Hardin, der sich als "J. H. Swain jr." ausgab, fuhr mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter (1875 bekam das Paar einen Sohn und zwei Jahre darauf eine weitere Tochter) im Dampfschiff nach Florida. Drei Jahre lang betätigte er sich in Florida und Alabama als Käufer und Verkäufer von Rindern und Pferden, betrieb einen Saloon und eine Holzhandlung und führte ein weitgehend unauffälliges Leben. 1877 jedoch wurde er von dem Texas Ranger John Armstrong und anderen Ordnungshütern in einem Zug in der Nähe von Pensacola, Florida, festgenommen.

Bei einer anschließenden Gerichtsverhandlung wurde Hardin zu einer langen Freiheitsstrafe im texanischen Staatsgefängnis von Huntsville verurteilt, wo er während der Haft ein Jurastudium absolvierte. Im Februar 1894 wurde er aus dem Zuchthaus entlassen, eröffnete in Gonzales eine Anwaltskanzlei und lebte dort eine Zeitlang mit seinen Kindern (seine Frau war 1892 gestorben). Bald darauf verlegte er die Kanzlei nach Junction und heiratete dort eine junge Frau, die ihn noch am Hochzeitstag verließ. Danach eröffnete er eine Kanzlei in El Paso, ließ sich in dieser berüchtigten Genzstadt mit allerlei zwielichtigen Existenzen ein.

Er wurde am 19. August 1895, nach einer Auseinandersetzung, von John Selman hinterrücks erschossen.
Hardin wurde 42 Jahre alt.

John Hughes Hughes, John Reynolds, "Border Boss"   

(geb. 11 Februar 1857, Cambridge, Illinois; gest. 1946, Austin, Texas)

>Cowboy, Ranger, Ordnungshüter<

 

 

Doc Holliday   Holliday, John Henry       

(geb. Anfang 1852, Griffin, Georgia; gest. 8.November 1887, Glenwood Springs, Colorado)

>Zahnartz, Spieler, Saloonbesitzer<

Der aus einer wohlhabenden Südstaatenfamilie stammende Holliday studierte Anfang der siebziger Jahre Zahnmedizin. Etwa um diese Zeit erkrankte er an Tuberkulose und zog nach Westen, weil er sich vom dortigen Klima eine Linderung seines Leidens und ein längeres Leben versprach. Immerhin trotzte er 15 Jahre der Krankheit und erwarb sich in dieser Zeit einen - allerdings übertriebenen - Ruf als eiskalter Killer. Er praktizierte gelegentlich als Zahnarzt, widmete sich aber vor allem dem Glücksspiel, zumeist als sogenannter Hausspieler in diversen Saloons.

Er tauchte in zahlreichen Boomtowns des Westens auf, so unter anderem in Dallas und Fort Griffin, Texas, in Cheyenne, Wyoming, in Dodge City, Kansas, in Denver, Leadville und Pueblo, Colorado, sowie in Tucson und Tombstone, Arizona.

In Tombstone nahm Holliday an der Seite seines Freundes Wyatt Earp an dem legendären Gunfight am "O.K. Corral" teil.

Berühmt wurde auch seine Geliebte, die Prostituierte Big Nosed Kate Elder. (Oftmals wird sie Kate Fisher bezeichnet, tatsächlich aber handelte es sich um eine gewisse Katherine Elder aus Davenport, Iowa. Möglicherweise wurden sie und Doc Holliday sogar in St. Louis getraut. Sie trennten sich 1881, nachdem sie Doc vorgeworfen hatte, er sei an einem Postkutschenüberfall beteiligt gewesen, bei dem der Kutscher Budd Philpot getötet worden war.) Holliday, der zusehends unter den Folgen der Tuberkulose sowie seiner Trunksucht litt, begab sich in den Kurort Glenwood Springs, wo er im Alter von 35 Jahren starb.

 

Wild Bill Hickok  Hickok, James Butler   

(geb. 27.Mai 1837, Troy Grove, Illinois; gest. 2.August 1876, Deadwood, Dakota Territory)

>Jäger, Fuhrmann, Arbeiter, Postkutscher, Militärkundschafter und -spion, Wild-West-Show Darsteller, Spieler, Ordnungshüter<

 

 

Jesse James     James, Jesse Woodson       

(geb 5.September 1847, Clay County, Missouri; gest. 3.April 1882, St. Joseph, Missouri)

>Farmer, Partisan, Bank- und Eisenbahnräuber<

 

 

Bill Longley    Longlay, William Preston       

(geb. 16.Oktober 1851, Austin County, Texas; gest. 11.Oktober 1878, Giddings, Texas)

>Farmer, Zureiter, Cowboy, Fuhrmann, Packmeister, Holzfäller<

 

 

Harvey Logan   "Kid Curry"       

(geb. 1865, Tama, Iowa; gest. 8.Juni 1904, Glenwood Sprigs, Colorado)

>Rustler, Rancher, Zureiter, Revolvermann, Bank- und Eisenbahnräuber<

 

 

Oliver Lee    Lee, Oliver Milton       

(geb. 1866, Buffalo Gap, Texas; gest. 15.Dezember 1941, Alamogordo, New Mexico)

>Rancher, Ordnungshüter, Parlamentsmitglied, Geschäftsmann<

 

 

Jim MillerMiller, James B.,"Killin Jim,Killer Miller,Deacon" 

(geb. 24.,Oktober 1866, Van Buren, Arkansas; gest. 19.April 1909, Ada, Oklahoma)

>Cowboy, Rustler, Ordnungshüter, Saloonbesitzer, Spieler, Hotelier, Auftragskiller<

 

 

Dave Mather Mather, Dave H., "Mysterious Dave"   

(geb. 1845 in Connecticut; gest. ?)

>Pferdedieb, Büffeljäger, Eisenbahn- und Postkutschenräuber, Ordnungshüter, Prospektor, Farmer, Spieler, Hotelangestellter<

 

 

Bat Masterson Masterson, William B.   

(geb. 26.November 1853, County Rouville, Quebeck, Kanada; gest. 25.Oktober 1921, New York City, New York)

>Farmer, Arbeiter, Büffeljäger, Militärkundschafter, Spieler, Saloonbesitzer, Ordnungshüter, Revolvermann, Sportler, Boxkampfveranstalter, Sportreporter<

 

 

Jeff Milton   Milton, Jeff Davis       

(geb. 7.November 1861, Marianna, Florida; gest. 7.Mai 1947, Tucson, Arizona)

>Farmer, kaufmännischer Angestellter, Cowboy, Gefangenenaufseher, Ordnungshüter, Saloonbesitzer, Zollinspektor, Rancher, Eisenbahnschaffner und -heizer, Expreßbote, Prospektor, Ölsucher, Rangededektiv<

 

 

John Ringo       

 

 

 

John Selman       

 

 

 

Dallas Stoudenmire       

 

 

 

John Slaughter       

 

 

 

Luke Short       

 

 

 

Jack Slade       

 

 

 

Sundance Kid       

 

 

 

Ben Thompson       

 

 

 

Heck Thomas       

 

 

 

Bill Tilghman       

 

 

 

Cole Younger       

 

 

 

John Younger       

 

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Tombstone
... und das legendäre Gefecht am O.K. Corral

 

Einleitung Die Vorgeschichte Das Gefecht Das Nachspiel

An einem stürmischen Oktobertag des Jahres 1881 war die Stadt Tombstone in Arizona Schauplatz der wohl berühmtesten Schießerei in der Geschichte des Wilden Westens. Der Schlußwechsel fand auf einem leeren Grundstück hinter dem O.K. Corral statt. City Marshal Virgil Earp, seine Brüder Wyatt und Morgan und ein Freund, der Spieler Doc Holliday, standen vier Cowboys aus der Umgebung, den Brüdern Clanton und McLaury, gegenüber. "In einem einzigen Augenblick drei Mann in die Ewigkeit befördert!" verkündet die Schlagzeile der ersten Berichts über das Ereignis in The Tombstone Epitaph. Der Augenblick dauerte, genaugenommen, nur etwas mehr als eine halbe Minute, doch ein tödliches Stackato rächender Revolverschüsse hallte monatelang nach.

Die Earp Brüder - Wyatt, Morgan und Virgil
Wyatt Earp                                  Virgil Earp                                  Morgan Earp

Dabei war der Zusammenstoß durchaus nicht einzigartig. In den Grenzgebieten war der Besitz von Waffen weitaus verbreiteter als im Osten der USA, und die Zeitungen des Westens brachten Artikel über Revolverkämpfe aller Art - Krawalle in Saloons, Überfälle durch Outlaws, Vigilanten-Kriege und gelegentlich auch einen Zweikampf im Stil europäischer Duelle. Nur gibt es über das Feuergefecht am O.K. Corral genauere Berichte als über die meisten anderen Schießereien, und sein Ruf als klassischer Zusammenprall von Revolverhelden ist auch deshalb wohlverdient, weil hier einige der für das Grenzland typischen Konfrontationen zutage traten: Outlaw gegen Law and Order Man, professioneller Kartenspieler gegen Cowboy, Abenteurer aus der Stadt gegen Siedler aus der Wildnis.

Diese Gegensätze waren jedoch keineswegs eindeutig, wie die Schießerei ebenfalls anschaulich macht. Die Grenze zwischen den Guten und den Bösen war durchaus fließend. Die Feinde, die sich da ins Auge sahen, hatten gewöhnlich mehr gemeinsam, als sie zugeben mochten. Die meisten Männer waren starrsinnig und kannten wenig Mitleid oder Skrupel. Wenn zwei eine Rechnung zu begleichen hatten, kam es kaum noch darauf an, auf welcher Seite des Gesetzes sie standen, ihr Gesetz war der Revolver, die Stellung, die sie unwillkürlich bezogen, die des Revolverhelden. In Tombstone wie überall im Westen Americas paßte das Etikett "Revolverhelden" auf Sheriffs ebenso wie auf Pferdediebe, auf Männer, die in ihrer Gemeinde respektiert wurden, genau wie solche, die man verachtete. Ihre Motive unterschieden sich, aber ihre Ziele waren im Grunde immer dieselben. Wyatt Earp faßte das nach der Schießerei kurz und bündig so zusammen: "Ich wollte einfach nicht", sagte er, "daß mir irgendeiner von der Bande zuvorkam".

Solche Aufrichtigkeiten erkannten sogar seine kritischsten Zuhörer an. Man lebte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, doch Law and Order hatten mit den Wellen der Besiedlung des Westens einfach nicht Schritt gahalten. Zwar waren die meisten Bürger des Landes anständig und friedlich, doch gehörten zur Bevölkerung des Grenzlands auch viele Herumtreiber: umherziehende Cowboys, Goldsucher und Eisenbahnarbeiter, jugendliche Draufgänger aus dem Osten, die noch ein paar übermütige Jahre genießen wollten, ehe sie seßhaft wurden, und verschiedene Glücksritter, die ihr Geld auf leichte Art verdienten.

Gewöhnlich lebten sie in einer Grenzstadt, die - gleichgültig, ob es sich um eine Rinder-, Eisenbahn- oder Goldgräberstadt handelte - selten besonders attraktiv war. Sie hatte eine breite, ungepflasterte Hauptstraße, im Sommer ausgedörrt, im Winter frosthart, gesäumt von Zelten oder Holzbuden. Verstreut dazwischen lagen die Saloons, die Tanzhallen und die Bordelle. Der Saloon war häufig nur ein Zelt, mit einer Theke, die aus einer auf zwei Bierfässern ruhenden Holzplanke bestand, oder auch ein festes Etablissement mit glitzernden Spiegeln und Kronleuchtern, aufreizenden Aktbildern und einer pompösen, geschnitzten Mahagoni-Bar, die die weite Reise von St. Louis gemacht hatte. Das Bordell war eine kleine Hütte oder eine große Tanzhalle mit mehreren Hinterzimmern. Ob mit oder ohne Dekoration - für einen Minenarbeiter nach der Schicht oder einen Cowboy, der direkt von der Ranch kam, waren diese Stätten alle Oasen des Vergnügens mit einem Überfluß an Sex, Alkohol und Geld. Eines dieser drei Dinge spielte fast immer eine Rolle, wenn Revolverhelden aneinandergerieten.
 

 

Die Vorgeschichte

Von Anfang an versprach Tombstone so lebendig zu werden wie jede andere Stadt im amerikanischen Westen. Es war zehn Monate alt, als es Wyatt Earp und seine Brüder im Dezember 1879 zum erstenmal erblickten - eine staubige Ansammlung von Zelten und Buden, die sich auf einem Hochplateau zwischen den Dragoon- und Whetstone-Bergen drängten. Doch Reichtum floß aus den Silberminen der nahen San-Pedro-Hügel, und die Einwohnerzahl der Stadt sollte innerhalb von zwei Jahren von null auf 5.600 hochschnellen. An dem Tag, an dem die Earps ankamen, wimmelte die Hauptstraße von Goldsuchern, die sich Werkzeuge kauften, von Kaufleuten, die neue Geschäfte errichteten, und von Zimmerleuten, die Ladenfronten mit hölzernen Gehsteigen vor jeder Eingangstür bauten. Schwindler lagen auf der Lauer, um Fremde mit Angeboten von Baugrundstücken zu locken, die ihnen nicht gehörten, oder mit Anteilen an Minen, in denen es kein Erz gab. Ohne Zweifel betrachteten sie die drei langbeinigen, schnurrbärtigen Earps erwartungsvoll. Die Brüder in schwarzen Gehröcken und steifkrempigen Hüten, die ihren Frauen höflich aus den ramponierten Wagen halfen, sahen so respektabel wie Geistliche aus.

Sie waren von weither gekommen: Wyatt und James 1.200 Kilometer von Dodge City in Kansas, mit einem Umweg über Prescott in Arizona, um Virgil abzuholen, der dort Gold gesucht hatte. Nach Tombstone hatte sie das gleiche gelockt wie die meisten anderen auch: die angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. James, mit 38 Jahren der älteste von ihnen, hoffte vom Barkeeper zum Saloon-Besitzer aufzusteigen. Virgil, ein schwergewichtiger Mann von 36 Jahren, der in Iowa und Kansas Postkutscher gewesen war, wollte Silber schürfen oder zumindest Claims abstecken, die die Earps mit schnellen Gewinn verkaufen konnten. In letzter Zeit hatte er dazu noch einen Nebenberuf angenommen: In Prescott war er zeitweilig als Deputy Sheriff tätig gewesen, und auf dem Wege nach Tombstone war er vom U.S. Marshal für das Territorium Arizona als Deputy U.S. Marshal vereidigt worden.

Wyatt Earp 31 Jahre alt, hatte eigene Pläne. Er verfügte über vielfältige Erfahrungen, die annehmen ließen, daß seine Einstellung zum Gesetz recht widersprüchlich war. Acht Jahre zuvor hatte man ihn und seine Freund in der Nähe von Fort Gibson im heutigen Oklahoma des Pferdediebstahls beschuldigt und beide vor einem Schwurgericht angeklagt. Doch Wyatt floh, bevor es zur Verhandlung kam. Bei seiner nächsten Berührung mit dem Gesetz stand er auf der anderen Seite. Er arbeitete als Polizist in Wichita, Kansas, wo ihn die Stadtväter ermahnen mußten, die von ihm eingenommenen Strafgelder in den Stadtsäckel zu überführen - andernfalls würde er keine Bezahlung erhalten. Wyatt zog nach Dodge City weiter und wurde dort Assistant Marshal. Sein Gehalt als Polizist verdoppelte er mehr als reichlich im führenden Saloon am Platze, dem Long Branch wo er nebenbei als Kartengeber bei Faro und Monte, den populärsten Kartenspielen des Grenzlands, tätig war. Dafür erhielt er von den Gewinnen des Hauses Prozente, als Hüter des Gesetzes sorgte er dafür, daß verärgerte Verlierer das Haus mit Anstand verließen. In Tombstone beabsichtigte er, seine Energien ähnlich zu verteilen.

Als sie in der Stadt auftauchten, waren die Earps als Revolverhelden kaum bekannt. James hätte diesen Ruf in keinen Fall verdient. Er hatte einen lahmen Arm seit seiner Verwundung im Bürgerkrieg (1861 - 1865) und war ein zurückhaltender Mensch, bei der Schießerei am O.K. Corral sollte er keine Rolle spielen. Virgil und Wyatt waren aus anderem Holz geschnitzt. Beide hatten Übung mit Waffen und kaum Bedenken, sie auch zu benutzen. Insbesondere Wyatt hatte sich in Kansas den Ruf eines gefährlichen und furchtlosen Gegners erworben.

Daß in Tombstone gute Schützen benötigt würden, zeihte sich bald, nachdem die Earps sich dort niedergelassen hatten. James entzog sich möglichen Schwierigkeiten, indem er sich ganz dem Geschäft des Kneipenwirts widmete. Aber Vigil und Wyatt gerieten sogleich mitten ins heiße Geschehen. Virgil mußte seinen Plan, dem Gesetz nur nebenberuflich zu verdienen, aufgeben, als eines Nachts ein Viehdieb, der sich einen Abend lang in der Stadt besaufen wollte, zufällig den City Marshal erschoß. Man bat Virgil, seine Stellung vorübergehend zu übernehmen, und man verlängerte später seine Amtszeit. Wyatts ursprüngliche Pläne blieben davon unberührt. Er kaufte sich in die Spielkonzession des luxuriösesten und profitabelsten Etablissements der Stadt ein, des Oriental Saloon, und eröffnete einen Farotisch in einem Saloon gegenüber, der Eagle Brewery. Daneben diente er als Ordnungshüter, zuerst als Deputy Sheriff und später, als Virgil City Marshal wurde, als Helfer seines Bruders.

Anfang des Jahres 1880 stieß ein vierter Bruder, der 28jährige Morgan, zu den drei Earps in Tombstone. Er war ein Hitzkopf, von seinen früheren Betätigungen wußte man nur, daß er Arbeiter und gelegentlich Polizist gewesen war. Wyatt brachte Morgan mit dem örtlichen Vertreter der Expreß-Spedition Wells, Fargo & Co. zusammen, der ihn als berittenen und bewaffneten Wächter für die Postkutsche nach Tucson einstellte, die elf Stunden unterwegs war. Zwischendurch fand Morgan, wie Wyatt, zusätzlich Anstellung bei der städtischen Polizei.

John Holliday Die eng verbundene Earp-Sippe erhielt bald Verstärkung in der Person eines Freundes von Wyatt aus alten Tagen in Dodge City: John Holliday. Er war ein leidenschaftlicher Kartenspieler und ein ehemaliger Zahnarzt, der einmal eine Praxis mit der dubiosen Zusicherung eröffnet hatte: "Bei Unzufriedenheit Geld zurück". Holliday kam kurz nach den Earps in Tombstone an, er hatte sich in Prescott etwas verspätet, weil ihm das Glück beim Faro-Spiel hold war. Er war 28 Jahre alt, Alkoholiker und tuberkulös, dazu leicht aufbrausend, kaltblütig und immer zum Töten bereit.

In jedem Monat, der verging, wurde Tombstone zivilisierter. Das glaubte zumindest Wells Spicer, ein ernsthafter junger Advokat, der eine Vorliebe für Statistiken hatte. In einem Brief Anfang der achtziger Jahre berichtete er, Tombstone besitze zwei Tanzhallen, ein Dutzend Spielhöllen und mehr als 20 Saloons. "Dennoch", so schrieb er, "gibt es Hoffnung, denn ich weiß von zwei Bibeln in der Stadt".

In den folgenden Monaten gaben Schlemmerlokale, wie Julius Caesars New Yorker Coffee House und das Maison Doreée des Cosmopolitan Hotels, ihre Eröffnung bekannt, ihre Spezialitäten waren Rinderbrust à la flamande und Schinken in Champagner-Sauce. Das Bird Cage Theatre führte neben weniger geistreichen Unterhaltungsstücken auch Pinafore auf, und nach der Vorstellung konnten die Damen und ihre Begleiter eine der beiden Eisdielen des Ortes aufsuchen, während junge Burschen durch die Straße spazierten und Operettenmelodien sangen. Eine Ära der Wohlanständigkeit schien sich anzukündigen.

Zunächst allerdings blieb Tombstone ein Ort, in dem wilde, rohe Sitten vorherrschten, der aber seine Schattenseite zu verstecken verstand. Erst als eines Sonntagabends ein paar leichte Mädchen und ihre Freunde auf der Straße eine Feier improvisierten und dabei mit Revolvern in die Gegend feuerten, hatte der Herausgeber des Lokalblatts Nugget das Gefühl, daß die Dinge außer Kontrolle gerieten. "Die meisten von uns hier oben wohnen in Zelten", schrieb er wütend, "und wenn Wahnsinnige herumtoben und ziellos um sich ballern wie in der vergangenen Nacht, gibt es für keinen mehr Sicherheit".

Es war klar: Wer die Stadt unter Kontrolle bringen wollte, mußte entweder dem Gesetz mit Nachdruck Geltung verschaffen - oder Einfluß auf die zerstrittene Unterwelt von Tombstone gewinnen. Virgil und Wyatt Earp hatten plötzlich - eher dank der Umstände als durch Planung - in beiden Sphären die Zügel der Macht in der Hand. Diese unerwartet günstige Situation brachte beiden Brüdern Vorteile, die sie vollständig ausnutzten - und zu wahren gedacht, notfalls mit gezogenem Revolver.

Wie vorauszusehen war, hatten die Earps bald Feinde. Die größten waren die Rancher, Cowboys und Viehdiebe, die außerhalb Tombstones lebten. Die Feindschaft beruhte zum Teil auf der Antipathie, die zwischen vielen Stadt- und Landleuten bestand. Für die Rancher und ihre Anhänger, von denen einige bereits in der zweiten Generation dort lebten, waren die Einwohner von Tombstone nur Neulinge, ja Eindringlinge, die Stadt selbst ein Schmutzfleck in einer bis dahin grenzenlos weiten Landschaft. Den Bürgern von Tombstone wiederum galten die Männer, die hin und wieder in die Stadt einritten, lediglich als Rabauken, als Verwilderte, die Ordnung nicht anerkannten. Obendrein gingen sie viel zu freizügig mit ihren Revolvern um, vor allem nach einer Nacht in den Saloons, sie feuerten sogar - wie der Tombstone Epitaph rügte - "auf Mond und Sterne". Wyatt Earp verabscheute diese Leute. Als er Schutzpolizist in den Rinderstädten von Kansas war, machten sie ihm das Leben zur Plage, und auch hier bedeuteten sie nur Ärger.

Bald stellte sich heraus, daß die aufsässigsten von ihnen zwei Gruppen von Brüdern waren, die Clantons und die McLaurys. Sie waren seit den frühen siebziger Jahren miteinander befreundet und hatten am Fluß San Pedro bereits Vieh gezüchtet, bevor es die Stadt gab. Ursprünglich verkauften sie die Rinder an die amerikanische Regierung, die damit die Apachen im Reservat San Carlos versorgte, jetzt war Tombstone der Hauptabnehmer für ihr Vieh. Gewöhnlich kamen sie in die Stadt, um Rechnungen zu begleichen oder auf einem der Fleischmärkte ein neues Geschäft abzuschließen. Aber sie verkauften nicht nur ihre eigenen Rinder. Ein großer Teil des Viehs, das am San Pedro graste, war in Mexico gestohlen worden.

Ike Clanton Der wildeste unter den drei Clanton-Brüdern - Ike, Phineas und Billy - war Ike, er widmete sich auch dem Nachtleben von Tombstone am intensivsten. Wo er auftauchte, führte er sich gern als erfolgreicher Viehhändler und ehrlicher Kämpfer ein. Die Earps erfaßten sehr schnell, was die Clantons unter Ehrlichkeit verstanden: Ike hatte sich ein paar schnelle Pferde in Texas beschafft und war immer bereit, sich mit anderen im Rennen zu messen. Wyatt Earp besaß ein Pferd, das er für das schnellste der Gegend hielt - er war aber nicht in der Lage, das zu beweisen, weil jemand es ihm gestohlen hatte. Als er Monate später das Pferd wiederentdeckte, saß Billy Clanton im Sattel.

Diese Affäre wurde als Mißverständnis ausgegeben - wahrscheinlich, weil Wyatt in bezug auf Pferdediebstahl allen Grund hatte, nachsichtig zu sein. Ein ernsteres Problem entstand durch die Freunde der Clantons, die McLaurys: Eines Tages waren sechs Maultiere von einer nahe gelegenen Armeestation verschwunden. Virgil Earp, der als Deputy U.S. Marshal die Befugnis hatte, gestohlenes Staatseigentum wieder herbeizuschaffen, ging mit Wyatt, Morgan und einem Sonderkommando der Armee unter Leitung eines Leutnants auf die Suche. Sie fanden die Tiere auf der McLaury-Ranch, und zwar gerade in dem Augenblick, als die Brüder anfingen, das Brandzeichen "U.S." zu ändern. Sie versprachen, die Maultiere zurückzugeben, woraufhin die Earps davonritten - nur um später zu erfahren, daß die Brüder es irgendwie nicht fertiggebracht hatten, einige ihnen befreundete Viehdiebe davon abzuhalten, mit dem Fang zu verschwinden. Damit waren die Beweisstücke beseitigt, und man konnte die Täter nicht anklagen.

Die Clantons und McLaurys konnten ihren dubiosen Viehhandel weiterführen, weil sie einen Freund am richtigen Platze hatten: John Behan, den Sheriff von Cochise County, dessen Bezirkshauptstadt Tombstone war. Behan, im Februar 1881 zum Sheriff ernannt, mußte sich nach Ablauf seiner Amtszeit einer Wahl stellen, so wollte es das Gesetz. Ihm war völlig klar, daß er nur dann eine Chance hatte, im Amt zu bleiben, wenn er unter den Cowboys eine Mehrheit fand. Folglich war er eifrig auf die Wahrung ihrer Interessen bedacht, der gesetzlichen wie auch der anderen.

Die Earps hielten wenig von Behan, weil er die Cowboys unterstützte, und er erwiderte ihre Gefühle. Virgil Earp war natürlich sein Rivale, da er als City Marshal von Tombstone die Polizei der Stadt befehligte und nicht Behan. Auch Wyatt Earp war ein Rivale von Behan. Er fand das Amt des Sheriffs begehrenswert und wollte gegen Behan kandidieren. Außerdem machte er neuerdings einer hübschen jungen Schauspielerin den Hof, die in dem Stück Pinafore mitspielte. Sie hatte bis dahin mit Behan gelebt, aber Wyatt konnte sie ganz für sich einnehmen.

Allmählich entwickelte sich aus dem Zwist zwischen den Earps und den Cowboys tiefer Haß. Im Juli 1881 ließ Behan Doc Holliday, den Kumpan der Earps, festnehmen. Er verdächtigte ihn, bei einem Anschlag auf die Postkutsche einige Meilen außerhalb der Stadt den Kutscher getötet zu haben. Zwar wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt, doch Holliday gehörte nicht zu den Männern, die vergeben und vergessen. Ebensowenig konnten die Earps die Ohren vor Gerüchten unbestimmten Ursprungs verschließen, daß sie den Anschlag organisiert und sich dabei der intimen Kenntnis von Morgan bedient hätten, der ja Kurier bei Wells, Fargo & Co. war. Die Brüder machten sich nichts aus diesem Gerede, aber - wie sie später vor Gericht über die Fehde aussagten - sie bekamen auch zu hören, daß die Clantons und die McLaurys es begrüßen würden, wenn die Earps aus dem Wege geräumt wären.

Im September 1881 konnten die Earps den Cowboy und Behan zweimal eins auswischen: Virgil Earp ordnete in seiner Eigenschaft als Deputy U.S. Marshal die Festnahme eines Stellvertreters von Behan, Frank Stilwell, und eines Freundes der Clantons, Pete Spence, wegen Überfalls auf eine Kutsche an. Ike Clanton erschien vor Gericht und hinterlegte eine Kaution für die Gefangenen. Auch Frank McLaury kam in die Stadt, als er von der Festnahme hörte: Die Freunde der Clantons waren auch seine Freunde. Auf dem Gehsteig traf er zufällig Morgan Earp und forderte ihn wütend auf, sich zur Straßenmitte zu begeben, wo sich Ike Clanton mit einigen Kumpanen versammelt hatte. Sie standen einander eine Weile stumm gegenüber, dann sagte Frank McLaury zu Morgan Earp: "Falls du mich jemals verfolgst - du wirst mich nicht kriegen".

Das war eine öffentliche Herausforderung, und eine blutige Entscheidung schien unvermeidbar. Offensichtlich gingen die Cowboys davon aus, daß sie Zeit und Ort dafür bestimmen würden - doch die Earps dachten nicht daran, ihnen einen Vorteil zu geben.

Am 25. Oktober - also einen Tag vor der tödlichen Begegnung - kamen Ike Clanton und Tom McLaury mit einem Wagen nach Tombstone, ließen ihn mit dem Gespann auf einem Corral, der Sheriff Behan gehörte, und begaben sich in zwei verschiedene Hotels. Billy Clanton und Frank McLaury sollten am nächsten Tag in der Stadt ankommen. Die McLaury-Brüder wollten von Bauer`s Union Market ihr Geld abholen, das sie für den Verkauf von Vieh bekommen hatten. Billy Clanton hatte vielleicht nur die Aufgabe, am Morgen Ike abzuholen. Billy war der jüngere, aber reifere von beiden, er überwachte seinen Bruder gerne mit fast väterlichen Auge, und Ike erklärte, der Zweck seines Besuchs in Tombstone sei eine Nacht in den Saloons.
 


 

Das Gefecht am O.K. Corral

Ike begann seine Runde früh am Abend des 25., und er kippte den Whisky Schluck um Schluck bis nach Mitternacht. Um ein Uhr früh ging er in den Alhambra Saloon, setzte sich hinten im Speiseraum an einen Tisch und bestellte sich etwas zu essen. Er bemerkte weder Wyatt Earp, der an der Imbißtheke saß, noch Morgan Earp, der dahinter am Tresen stand. Dann kam Doc Holliday herein. Der Anblick des Feindes brachte ihn sofort in Rage, und er wollte eine Entscheidung gleich an Ort und Stelle provozieren. Mit großen Schritten ging er an Clantons Tisch und fauchte ihn an: "Du Dreckskerl von einem Cowboy, nimm deinen Revolver und fang an!".

"Ich habe keinen Revolver", antwortete Ike. Während die Männer stritten, rief Wyatt Earp seinen Bruder am Tresen. Morgan Earp war gerade im Dienst, und Wyatt empfahl ihm, die Streithähne zu trennen. Morgan schwang seine langen Beine über die Imbißtheke, ergriff Holliday am Arm und zerrte ihn auf die Straße. Ike stand auf und folgte ihnen. Wyatt, wie immer etwas bedächtiger, beendete erst seine Mahlzeit und ging dann hinaus.

Draußen auf dem Gehsteig kochte Doc Holliday immer noch vor Wut. "Haste keine Waffe, dann hol dir eine", sagte er zu Ike. Morgan schürte das Feuer: "Ihr könnt euern Kampf ja haben, jetzt", bot er den beiden an. Ike fühlte sich benachteiligt, weil er keinen Revolver bei sich hatte, lehnte ab und ging davon. Aber nicht zu Bett, ein Pokerspieler in einem anderen Saloon, das die ganze Nacht dauerte, nahm seine Aufmerksamkeit in Anspruch - ein verhängnisvoller Zeitvertreib, denn bei Sonnenaufgang war er streitsüchtig und konnte kaum mehr aus den Augen sehen.

An jenem Vormittag wurde Wyatt Earp um 11.30 Uhr von Ned Boyle, dem Barkeeper vom Oriental Saloon, geweckt. Er hatte Ike auf der Straße getroffen, und der hatte ihm anvertraut: "Sobald diese verdammten Earps auf der Straße erscheinen, geht der Tanz los". Wyatt eilte zum Saloon und erfuhr dort, daß Ike inzwischen mit einem Gewehr und einem Revolver bewaffnet war, er machte sich auf die Suche nach Virgil. Zusammen sahen sie sich nach Ike um. Das Vorspiel zum Endkampf hatte begonnen.

Virgil entdeckte Ike in einer Seitengasse, schlich sich von hinten an und ergriff sein Gewehr. Ike versuchte, seinen Sechsschüsser zu ziehen, aber Virgil schlug ihm einen Revolver auf den Schädel und zwang ihn damit in die Knie.

"Warste hinter mir her ?" fragte Virgil in milden Ton. "Hätte ich dich eine Sekunde eher gesehen, wärste jetzt tot", sagte Ike. Virgil nahm ihn auf der Stelle wegen Tragens von Feuerwaffen innerhalb der Stadtgrenzen fest. In dem Augenblick kam Morgan Earp dazu, und beide Brüder führten ihn zum Friedensrichter A.O. Wallace ab.

Als Wyatt Earp von dem Vorfall erfuhr, ging er zum Gerichtssaal. Dort sah er, daß Ike außerhalb der Schranken saß und sich das Blut mit einem Taschentuch vom Kopf wischte. Wyatt ging an ihm vorbei und setzte sich auf eine Bank innerhalb der Schranken, um auf den Richter zu warten. Dann drehte er sich zu IKe um und sagte: "Du hast mich zwei- oder dreimal bedroht. Ich will, daß das aufhört". Ike murmelte ein paar Worte. "Du verdammter mistiger Kuhdieb", fuhr Wyatt fort, "wenn du unbedingt kämpfen willst - ich warte auf dich!" - "Wir treffen uns, wenn ich hier fertig bin", antwortete Ike.

Tom McLaury In diesem Augenblick nahm Morgan Ikes Gewehr und den Revolver an sich, die als Beweismittel hereingebracht worden waren. Er hielt die Winchester, ihre Schaftkappe befand sich am Boden, und bot höhnisch an, Ikes Strafe zu bezahlen, wenn er mit ihm kämpfen wolle. "Ich mache dich überall und auf jede Art fertig", erwiderte Ike.

Bevor er seine Zeugenaussage gemacht hatte, verließ Wyatt nun den Gerichtssaal und lief beinahe Tom McLaury in die Arme, der gerade eintreten wollte, um sich um Ike zu kümmern. Es ergab sich ein kurzer, wütender Wortwechsel. McLaury sagte: "Wenn du scharf bist auf einen Kampf - ich liefere dir einen, überall". Wyatt zog seinen Revolver und antwortete: "In Ordnung, kämpf` doch hier", schlug McLaury mit der linken Hand ins Gesicht und mit der rechten den Revolverlauf über den Schädel. McLaury blieb auf der Straße liegen, ausgestreckt und mit glasigen Augen, und Wyatt ging davon.

Zufällig war an diesem Tage ein Freund der Clantons und der McLaurys in der Stadt, ein hochaufgeschossener junger Postkutschenfahrer namens Billy Claibourne. Als er von Ikes Verhaftung erfuhr, eilte er zum Gerichtssaal. Ike hatte seine Strafe bezahlt, jetzt mußte seine Kopfwunde verbunden werden. Claibourne nahm ihn mit zu Dr. Gillinghams Praxis und ließ ihn dort allein. Wenige Minuten später lief er Billy Clanton und Frank McLaury in die Arme, die gerade in der Stadt angekommen waren, und berichtete ihnen die Neuigkeiten. Billy Clanton war wütend, daß sein Bruder schon wieder einmal in der Patsche saß. "Ich will, daß Ike nach Hause geht", sagte er. "Ich bin nicht hergekommen, um mit irgend jemanden zu kämpfen". Ein paar Minuten später kam Ike daher, sein Kopf war verbunden. "Hol dein Pferd und reite nach Hause", herrschte Billy ihn an.

Frank McLaury "Ich reite schon los", beruhigte ihn Ike. Die Männer gingen zusammen zu Bauer`s Market in der Fremont Street. Zu dieser Zeit saß Sheriff Behan beim Barbier in der Allen Street und ließ sich rasieren. Von seinem Platz aus konnte er sehen, wie sich an der Ecke eine Menge versammelte. Wyatt und Morgan Earp standen mit Doc Holliday zusammen, Virgil Earp hielt sich in der Nähe auf, an seiner Seite hatte er eine Schrotflinte. Der Barbier stellte fest, sicherlich gäbe es nun wirklich Ärger zwischen den Earps und den Cowboys. Behan hörte damit zum erstenmal etwas über die Ereignisse des Tages. Er eilte nach draußen und sagte Virgil, er wolle die Cowboys entwaffnen, wenn ihn die Earps ein paar Minuten mit ihnen allein ließen. Die Earps blieben, wo sie waren, aber kurz nachdem Behan weggegangen war, erfuhren sie, daß die Cowboys immer noch in der Fremont Street waren und ihre Waffen trugen. Die Earps gingen los und kündigten an, daß sie die Clantons und die McLaurys nunmehr verhaften würden.

Die Earps, in schwarzen Mänteln und Stetson-Hüten, mit Krawatten vorne über ihren weißen Hemden, bewegten sich langsam und vorsichtig, beinahe gemessenen Schrittes. Doc Holliday, in einem langen grauen Mantel, mit einem Rohrstock in der Hand, folgte ihnen.

"Doc, das ist unser Kampf", sagte Wyatt über die Schulter zu Jon Holliday. "Kein Mensch hat dich gebeten, dich hier einzumischen".

"Daß du mir das sagst, finde ich übel", antwortete Doc. Er war beleidigt, Wyatt war sein bester Freund, Virgil hielt inne und ernannte Doc auf der Stelle zu seinem Stellvertreter. Er nahm Docs Rohrstock, übergab ihm seine eigene Schrotflinte, sagte ihm, er solle sie unter dem Mantel tragen, und die vier Männer marschierten weiter.

Von der Ecke der Fourth Street aus sahen sie in der Fremont Street die Clantons und die McLaurys - FrankMcLaury hatte die Zügel seines Pferdes in der Hand. Sie standen auf dem Gehsteig hinter dem Geschäft von Camillus Fly, das gleichzeitig Pension und Photo-Atelier war. Sheriff Behan bemühte sich, sie zur Übergabe der Waffen zu überreden. Ike Clanton betonte, er sei gar nicht bewaffnet, was Behan überprüfte, indem er Ikes Taille abtastete. Tom McLaury schlug seine Weste auf, um zu zeigen, daß auch er unbewaffnet sei. Aber Billy Clanton und Frank McLaury trugen Sechsschüsser, und an Franks Pferd hing in einem Gewehrschuh ein Gewehr. "Jungs, ihr müßt mir eure Waffen geben", sagte Behan zu ihnen. "Nur wenn du die Earps auch entwaffnest", sagte Frank.

"Bleibt hier", befahl ihnen Behan und ging auf die näherkommenden Earps zu. Sie trafen sich unter der Markise von Bauer`s Meat Market. "Earp, um Himmels willen, geh nicht weiter", sagte Behan zu Virgil.

"Ich werde sie entwaffnen", fuhr ihn Virgil an. Die Earps und Doc Holliday drängten an Behan vorbei. "Zurück! Ich bin der Sheriff von diesem County!" brüllte er und rannte ihnen hinterher.

John Behan Als die Earps und Doc Holliday bei Flys Laden ankamen, zogen sich die Clantons und die McLaurys auf das leere Grundstück danebden zurück, das auf der anderen Seite von einen kleinen Privathaus begrenzt wurde, es gehörte einem William Harwood. Die Clantons und die McLaurys reihten sich mit den Rücken gegen die Hauswand auf, Frank McLaury hatte sein Pferd neben sich. Die Earps kamen einige Schritte näher. Virgil, mit Docs Stock in der Rechten, war vorn. Hinter ihm standen Wyatt und Morgan, dahinter Doc. Die Schrotflinte von Virgil war deutlich erkennbar, weil sich sein Mantel im Winde öffnete. Als die beiden Gruppen sich mit weniger als zwei Meter Abstand gegenüberstanden, verdrückte sich Sheriff Behan an die Seite von Flys Haus, wohin ihm eilig Billy Claibourne folgte.

Die Clantons und die McLaurys waren, ohne es zu merken, selbst in eine Falle geraten. Vorne riegelten die Earps das Grundstück ab, die Häuser von Fly und Harwood begrenzten es an den Seiten. Nur nach hinten konnte man sich bewegen, dort lagen freies Gelände und die offenen Boxen des O.K. Corral. Das Grundstück selber - ein verwildertes, leeres Stück Land von etwa sechs Metern Breite - ließ keine Ausweichmanöver zu, bot keine Deckung.

Möglicherweise fühlten sich die Cowboys gefangen, aber sie zeigten das nicht. Durch die zahlreichen mehr zufälligen Zusammenstöße der letzten Stunden waren sie an einem Punkt, von dem aus es kein Zurück mehr gab, an einem Ort der Entscheidung, der für die Earps günstiger war als für sie selbst. Dennoch übernahmen sie - unvorbereitet, wie sie waren - die Initiative. In die Stille hinein machte es Klick-klick, als Billy Clanton und Frank McLaury ihre Sechsschüsser im Halfter spannten. "Halt! Gebt mir eure Kanonen", rief Virgil Earp. Da brüllte jemand: "Du Hundesohn" - und die nächsten Worte gingen im ersten Schußwechsel unter. Augenzeugen haben das Schwirren der Kugeln und den tödlichen Tumult später beschrieben.

Billy Clanton richtete seinen Revolver mit ausgestrecktem Arm auf Wyatt Earp. Wyatt achtete nicht auf ihn, zog einen Sechsschüsser aus der Manteltasche und feuerte auf Frank McLaury, der als der beste Schütze der vier Cowboys galt. Billy verfehlte Wyatt, aber Wyatt traf: Frank McLaury taumelte, in den Bauch getroffen, auf die Straße. Als Tom McLaury sah, daß sein Bruder verwundet war, riß er seine Weste auseinander und rief: "Ich habe nichts!" Vergeblich hatte er nach dem Gewehr im Gewehrschuh an Franks Pferd gegriffen, jetzt nahm er hinter dem Tier Deckung.

Billy Clanton, Ziel von Morgan Earps Sechsschüsser, erwischte es als nächsten. Eine Kugel durchschlug sein rechtes Handgelenk, eine andere traf ihn in die Brust. Er schwankte, fiel nach hinten gegen ein Fenster des Harwood-Hauses und sank langsam auf die Erde. Doch dabei nahm er noch seine Waffe in die linke Hand, legte den Lauf auf den rechten Arm und feuerte - wenn auch unsicher - weiter.

Billys Bruder Ike suchte unterdessen seine eigene Haut zu retten. Gleich nach dem ersten Schüssen hatte sich Ike auf Wyatt Earp gestürtzt. Dabei blieb unklar, ob er Wyatt die Waffe entwinden oder eine Feuerpause erzwingen wollte. Jedenfalls ergriff er Wyatts Arm und versuchte, dessen Schulter zu umklammern. Als Wyatt sah, daß Ike keinen Revolver in der Hand hatte, schob er ihn kalt mit den Worten beiseite: "Schieß oder hau ab!". Ike rannte auf die Tür von Flys Laden zu. Doc Holliday schickte ihm eine Schrotladung nach, aber er konnte unversehrt ins Haus gelangen. Behan, der wie angewurzelt dagestanden hatte, sprang mit einem Satz ebenfalls in Deckung. Er zog Billy Claibourne mit sich zur Hintertür von Flys Haus und folgte ihm hinein. Gleich darauf stürtzte Ike aus dieser Tür und verschwand hinter den Boxen des O.K. Corral. Er rannte weiter, ohne anzuhalten, bis er eine mexicanische Tanzhalle in der Allen Street erreichte, wo er Unterschlupf fand.

Auf dem Platz hinter dem Corral war inzwischen Franks Pferd auf die Straße gestürmt. Tom McLaury hatte keine Deckung mehr. Doc Holliday zielte auf ihn und schoß. Die Schrotflinte ließ ihn diesmal nicht wie bei Ike im Stich. Die Ladung schlug durch Toms Weste in seine rechte Seite. Tom taumelte die Fremont Street hinunter bis zur Ecke der Third Street, wo er zusammenbrach und starb.

In Sekundenschnelle war Ike geflohen, die drei anderen Cowboys waren verwundet. Zwei von ihnen gaben noch nicht auf. Der erste der Feinde, der das zu spüren bekam, war Virgil Earp. Er hatte sich an der Schießerei nicht beteiligt. Zu Beginn hatte er Docs Rohrstock in die linke Hand genommen und seinen Revolver gezogen, um auf Billy Clanton zu schießen, aber Morgan war ihm zuvorgekommen. Er stand auf dem Platz, als ihn eine Kugel in die Wade traf. Virgil sank zu Boden - ungefähr drei Meter von Billy entfernt, der über seinen Arm hinweg weiterfeuerte.

Auch Frank McLaury war nicht bereit aufzugeben, trotz seiner Bauchverletzung. Als sein Pferd auf die Straße gestürmt kam, versuchte er noch, sein Gewehr aus dem Gewehrschuh zu ziehen, aber das verschreckte Tier scheute und rannte davon. Da zog McLaury seinen Sechsschüsser - und sah die Augen von Doc Holliday aus kaum zwei Metern Entfernung auf sich gerichtet. Doc hatte sich der unhandlichen Schrotflinte von Virgil Earp entledigt und hielt seinen eigenen Revolver in der Hand. Beide Männer schossen gleichzeitig, ein dritter Schuß kam von links - von Morgan Earp. McLaury krümmte sich, unterm Ohr getroffen. Sein eigener Schuß jedoch war durch Doc Hollidays Hüfte gegangen. Man hatte immer gesagt, auf Doc könne man nicht leicht zielen, weil er von Tuberkulose und Whisky so ausgezehrt war, daß man ihn von der Seite kaum sehen könne. Dies hatte Frank McLaury in der letzten halben Sekunde seines Lebens widerlegt.

Billy Clanton, der die Schießerei niemals gewollt hatte, sollte den letzten Schuß für die Cowboys abgeben. Er zielte auf Morgan Earp, und es gelang ihm, ihn an der Schulter zu treffen. Er taumelte und fiel hin. Billy versuchte aufzustehen. Morgan und Wyatt Earp feuerten gemeinsam, unterhalb der Rippen getroffen, brach Billy wieder zusammen.

Plötzlich war die Schießerei beendet, über eine stille Szenerie zog Pulverrauch. Camillus Fly kam aus seinem Haus, überquerte das Grundstück und lief zu Billy Clanton, der noch im Sterben versuchte, seinen Sechsschüsser zu spannen. "Gib mir noch ein paar Patronen", flehte er. Fly nahm ihm die Waffe aus der schlaffen Hand.
 

 

Das Nachspiel

Der Kampf war vorbei. Drei der acht Teilnehmer waren tot, zwei verwundet und zwei - Ike Clanton und Wyatt Earp - unverletzt. Der Sekundenzeiger der Uhr hatte noch nicht einmal eine Runde gedreht, und eine Feindschaft war durch ein Ritual bereinigt, dem sich kein Beteiligter entziehen konnte. Aber die Rechnung war noch nicht völlig beglichen.

Bis zum späten Nachmittag war Tombstone in hellem Aufruhr. In den Minen der Umgebung schrillten Pfeifen, die Arbeiter bewaffneten sich und marschierten in die Stadt, damit Ordnung gewahrt blieb. Die Häuser der Earps wurden von ihren Verbündeten bewacht, um sie vor den Freunden der Clantons und McLaurys zu schützen. Man vermutete, sie würden eilends in die Stadt reiten, um Rache zu nehmen. Die Leichen der drei Männer wurden zu Ritter & Ream, dem Beerdigungsinstitut, geschafft. Zwei Tage nach der Schießerei zog der Leichenzug durch die von Menschen gesäumten Straßen, angeführt von der städtischen Blaskapelle. An einer Stelle hielt ein Freund der Opfer ein Schild hoch, als die Prozession vorüberzog. Es trug die Worte: ERmordet in den Straßen von Tombstone.

Die Frage von Schuld und Unschuld wurde von ganz Tombstone wochenlang debattiert. Die Leichenschaukommission kam zu keinem klaren Spruch. Sheriff Behan sperrte Wyatt Earp und Doc Holliday nach der Untersuchung unter Anklage des Mordes ins Gefängnis. (Virgil und Morgan Earp, die sich noch von ihren Wunden erholten, wurden nicht festgenommen, aber Virgil wurde als City Marshal suspendiert.) Der Fall kam vor den Polizeirichter Wells Spicer, den Mann, der Hoffnung auf Verbesserung der Lage hatte, als zwei Bibeln in der Stadt zu finden waren. Zum Schluß, nach 30tägiger Beweisaufnahme, entschied der Richter, daß das Vorgehen der Angeklagten gerechtfertigt gewesen sei. Sie waren, so urteilte er, "Beamte, die den Auftrag hatten, tapfere und entschlossene Männer festzunehmen und zu entwaffnen - Männer, die blitzschnell und todsicher schossen und die zuvor ihre Absichten verkündet hatten, sich weder festnehmen noch entwaffnen zu lassen.

Spicer sprach jedoch die Earp-Clique nicht völlig von Schuld frei. Er stellte fest, daß Virgil Earp als Polizeichef einen "unüberlegten und sträflichen Akt" begangen habe, als er Wyatt und Doc veranlaßte, ihm bei der Festnahme und Entwaffnung der Clantons und der McLaurys zu helfen. Immerhin, fuhr Spicer fort, gäbe es auch mildernde Umstände. Mit der Aufzählung dieser Umstände war auch Tombstone treffend gekennzeichnet: "Zu berücksichtigen ist der Stand der Dinge un einem Siedlungsgebiet: die Gesetzlosigkeit und die Geringschätzung von Menschenleben, das Vorhandensein von Menschen, die das Gesetz herausfordern, die überall vorhandene Angst und das Gefühl der Unsicherheit, die Vermutungen, daß hier vorwiegend schlechte, verzweifelte und rücksichtlose Männer lebten, die das Land terrorisierten. Zu bedenken sind auch die vielen Drohungen, die gegenüber den Earps geäußert wurden. Ich kann deshalb dieser unklugen Handlung kein verbrecherisches Motiv unterstellen".

Diese Entscheidung befriedigte die Freunde der Opfer nicht. Schon zwei Monate nach der Schießerei wurde Virgil Earp, der wieder auf den Beinen war, mit Schrot beschossen, als er bei Dunkelheit die Fifth Street überquerte. Die Angreifer entkamen unerkannt. Virgils linker Arm war zerschmettert. Er wurde in ein Zimmer des Cosmopolitan Hotels gebracht, und bald versammelten sich seine Frau Allie und einige Freunde um ihn. Virgil versuchte, seine Frau zu trösten: "Laß mal", sagte er, "ich habe ja noch einen anderen Arm, mit dem ich dich umarmen kann".

Drei Monate später, an einem Samstagabend im März 1882, befanden sich Wyatt und Morgan Earp in einem Billardsaal in der Allen Street. Als Morgan sich mit seinem Billardstock über den Tisch beugte, wurde zweimal durch das Glas der Hintertür gefeuert. Morgan fiel zu Boden, seine Wirbelsäule war von einer Kugel zerschmettert. Er versuchte zu scherzen, als man ihn zur Couch trug: "Das soll mein letztes Billardspiel gewesen sein". Aber innerhalb einer halben Stunde war er tot. Augenzeugen hatten drei Männer vom Tatort wegrennen sehen - zwei davon waren Pete Spence, der Freund der Clantons, und Frank Stilwell, Sheriff Behans Stellvertreter, den Virgil Earp im September des Vorjahres wegen eines Überfalls auf eine Kutsche festgenommen hatte, der dritte war angeblich ein Indianer.

Drei Tage danach bestiegen Virgil Earp und seine Frau den Zug Richtung Westen, sie geleiteten Morgans Sarg nach Californien, wo die Eltern der Earps sich niedergelassen hatten. Wyatt Earp und Doc Holliday kamen bis Tucson mit, um Virgil zu schützen. Als der Zug in Tucson hielt, wurde Frank Stilwell, bewaffnet mit einem Revolver, im Hintergrund gesichtet. Am nächsten Morgen fanden Eisenbahner den toten Stilwell. Er hatte sechs Kugeln in Brust und Beinen und war aus nächster Entfernung erschossen worden, seine Kleidung zeigte Brandflecken vom Mündungsfeuer. Als die Leiche gefunden wurde, waren Wyatt Earp und Doc Holliday auf dem Weg zurück nach Tombstone.

Noch in derselben Nacht versammelte Wyatt eine Menge Freunde um sich, um Jagd zu machen auf Pete Spence und den anonymen Indianer, die seinen jüngeren Bruder getötet hatten. Während sie hinaus in die Wildnis ritten, brachte Sheriff Behan selber eine Gruppe von Männern auf die Beine, um Wyatt Earp und Doc Holliday zu finden und wegen des Mordes an Stilwell zu verhaften. Am nächsten Morgen, dem 22. März, fanden und töteten Wyatts Leute den "Indianer", der in Wahrheit ein mexicanischer Holzfäller war, in Pete Spences Holzlager in den Dragoon-Bergen. Spence selbst konnte Wyatts Rache entgehen. Während Behans Mannschaft auf der Suche nach ihnen die Hügel durchstreiften, flohen Wyatt Earp, Doc Holliday und einige ihrer Kumpane. Ungefähr eine Woche später stiegen sie in Albuquerque in New Mexico vom Pferd. Sie waren erschöpft und wundgeritten, aber an einem Ort, den das Gesetz von Arizona nicht erreichen konnte.

Für Tombstone war endlich alles vorbei: die Fehde, die Schießerei, das Nachspiel. Aber die Legende über diese blutigen Tage sollte erst entstehen. Überall im Westen veröffentlichten die Zeitungen Berichte über den Krieg der Earps in Tombstone, die auch die Presse im Osten übernahm. Genau wie jede andere Schießerei festigte das Drama am O.K. Corral den Ruf der Revolverhelden im amerikanischen Westen: Sie waren die kraftstrotzenden, grobschlächtigen Abenteurer, deren Kühnheit - nicht aber deren Tugend - außer Zweifel stand.
 

 

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